Open Source im professionellen Einsatz

Studie: Linux-Potenzial im Mittelstand

26.03.2008

Die Marktforscher von Raad Research stellen in einer aktuellen Studie "IT-Markt Deutschland" fest, dass mittelständische Unternehmen zunehmend Linux als Plattform nutzen. Der ERP-Anbieter SAP, will als Konsequenz gezielt Linux-Anwender im Mittelstand angehen.

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In der Studie befragten die Analysten Entscheidungsträger zu drei Schwerpunktthemen: ERP (Enterprise Ressource Planning)-Software im Allgemeinen, im Speziellen vom Anbieter SAP und zum Schwerpunktthema IT im Mittelstand. Als eine Haupterkenntnis leitet Raad Research hieraus ab, dass sich der Trend von Software im Eigenbau zu Standardlösungen verschoben hat. Insgesamt wurden in knapp 6000 Unternehmen jeweils die IT-Leiter befragt. Rund 3300 davon stammen aus der SAP-Kundenkartei; als mittelständisch werden Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern eingestuft.

Unter allen Interviewteilnehmern haben 47 Prozent der Anwender auf mindestens einem Server Windows als Betriebssystem laufen, gleichzeitig sind bei 63 Prozent Unix-basierte Systeme im Einsatz, davon nennen 12 Prozent speziell Linux. Die Marktforscher sehen weitere Wachstumschancen für Linux. In der Studie heißt es: "Gerade im Mittelstand hat Windows mit dem freien Betriebssystem Linux allerdings einen immer ernster zu nehmenden Konkurrenten." Die Zahl der durchschnittlichen SAP-User auf den Systemen beiden Systemen sei vergleichbar. Auf reinen Windows-Systemen arbeiten 440 SAP-User, auf reinen Linux-Systemen 510 SAP-User. Eine Ursache für die Beliebtheit von Linux liege im günstigeren Preis für die Lizenzen. Die Raad-Analysten machen weitere Gründe aus: Weil die Kombination von SAP-Software auf Linux-basierten Servern von allen großen Hardware-Anbietern zur Verfügung gestellt werde, erleichtere dies die Entscheidung zugunsten des freien Systems. Zudem verringere sich dadurch das Risiko einer Investition in Linux und die Unternehmer bewahrten sich eine größtmögliche Unabhängigkeit, weil das Know-how ohne Probleme von einem Hardwarehersteller zum nächsten übertragbar sei.

Diese Erkenntnisse will der ERP-Anbieter nun nutzen, um mit einer Linux-Strategie den deutschen Mittelstand zu erobern. Auf diese Anwendergruppe zielt SAP mit dem Linux-basierten Softwarepaket "Business byDesign" und setzt außerdem auf die hauseigene Datenbank MaxDB. Neben neuen Linux-Anwendern spekuliert das Unternehmen zugleich darauf, dem bislang führenden Datenbankanbieter Oracle Marktanteile abzunehmen. Laut der Studie verkaufte Oracle bisher bei rund 75 Prozent der SAP-Kunden seine Lizenzen; ein Geschäft, das SAP gern selbst machen würde.
SAP setzt damit seine Linux-Aktivitäten fort: Erst vor wenigen Tagen verkündete das Walldorfer Unternehmen eine engere Zusammenarbeit mit Novell; der Suse Linux Enterprise Server (SLES) soll künftig besser unterstützt werden. Auch diese Entscheidung führte SAP in der Pressemitteilung auf eine starke Kundennachfrage zurück. In gemeinsamen Aktionen wollen die Unternehmen beim Mittelstand die Produktzusammenstellung names SAP Business All-in-One für SLES bewerben.

Korrektur: In der am 26. März veröffentlichten News hieß es, dass SAP der Auftraggeber der Studie "IT-Markt Deutschland" sei. Dies ist laut Raad Research nicht richtig, es handle sich um keine im Auftrag durchgeführte Studie. Wir haben das im ersten Absatz der News korrigiert.

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