Open Source im professionellen Einsatz

Studie: Deutschlands Behörden verschlafen Digitalisierung

30.06.2015

Die Beratungsfirma Accenture hat 6600 Bürger verschiedener Länder zu ihrer digitalen Interaktion mit den Behörden befragt. Deutschland landete auf dem letzten Platz.

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Wer in den letzten Monaten oder Jahren mit Deutschlands Behörden zu tun hatte, den wird das Ergebnis wenig überraschen. Nicht selten sind selbst für die simpelsten Interaktionen Gänge zum Amt nötig. Die "Accenture Public Services Pulse Survey" bestätigt diese Erfahrungen nun. An ihr nahmen 6624 Bürger aus Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA teil, in Deutschland wurden 1000 Bürger befragt.

Deutschland ist laut der Studie das Schlusslicht bei der Interaktion zwischen Bürgern und Behörden. Gerade unter den so genannten "Digital Natives" zwischen 18 und 29 Jahren, die mit dem Internet aufgewachsen sind, zeigt sich das Problem. 90 Prozent von ihnen nutzen digitale Verwaltungsangebote, 89 Prozent davon sind damit unzufrieden. Unter der Gesamtheit der Befragten liegt die Unzufriedenheit bei immerhin 77 Prozent. Auch aufschlussreich: 55 Prozent der Befragten gaben an, dass sie höchstens 10 Prozent ihrer Behördengänge auf digitalem Weg erledigen können. Das kann auch daran liegen, dass knapp die Hälfte nicht weiß, welche Dienste die Behörden überhaupt anbieten.

Die Digitalisierung geht auch nicht einfach wieder weg. 98 Prozent der Befragten wollen ihre derzeitige Nutzung digitaler Dienste in Zukunft beibehalten oder gar ausbauen, 57 Prozent der 18- bis 44-jährigen künftig mehr digitale Dienste nutzen. 49 Prozent haben zudem versucht, bestimmte Behördengänge online zu erledigen, um dann festzustellen, dass die Behörden diese Dienste nicht im Netz anbieten. Oder nur in schlechter Qualität anbieten: Denn wenn sie solche Dienste nutzen, erwarten 84 Prozent der Befragten, dass diese zumindest so gut funktionieren wie die kommerziellen Angebote.

Die Studie folgert daraus, dass die Behörden vom Bürger her denken müssen. Ihre Macher schlagen vor, Service-Konten für Bürger einzurichten, über die diese ihre behördlichen Aktivitäten abwickeln können.

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