Open Source im professionellen Einsatz

Rück-Sicht 40/17

08.10.2017

In der letzten Woche machte zweimal das Projekt eines freien Smartphones von sich reden, dass der Laptophersteller Purism aus San Francisco realisieren will, falls eine Crowdfundingkampagne das finanziert. Und denanach sieht es nun aus: Die eingeworbenen Gelder überschritten die Eine-Million-Dollar-Marke, wie  betanews melden.

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Anvisiert sind 1,5 Millionen. Damit könnte das Librem 5 getaufte Handy unter dem eigenen Betriebssystem Pure OS, das seinen Fokus auf eine gesicherte Privatsphäre legen will,  im nächsten Jahr Wirklichkeit werden. Wie Golem weiß, existiert sogar schon ein Funktionsprototyp.

Setzt sich nun also nicht nur der Open-Source-Gedanke in der Smartphonewelt durch - dafür steht ja mit gewissen Einschränkungen schon das übermächtige, Linux-basierte Android - sondern auch der Respekt vor der Privatsphäre des Nutzers, den man beim Google-Betriebssystem nicht so recht erkennen kann? Sind die Leute tatsächlich bereit, dafür auch (mehr) Geld zu bezahlen?

Nun, einige wenige offenbar schon. Das Librem 5 kostet knapp 600 Dollar, zum Überschreiten der Millionengrenze müssen als rund 1700 Vorbesteller beigetragen haben. Allerdings werden weltweit pro Quartal mehr als 300 Millionen Smartphones verkauft, die niedrige Tausendermenge ist also eine homöopathische Dosis. Würde man es so sehen. wäre das Glas halbleer. Sieht man auf die gelingende Crowdfundingkampagne und die Investitionsbereitschaft etlicher Hundert Menschen, die für einen selbstbestimmten Umgang mit den eigenen Daten einstehen wollen, dann ist es halbvoll.

Der polniche Lyriker und Aphoristiker Stanislaw Jerzy Lec hat einmal gesagt:

Es wäre mir lieber, David hätte Goliath mit der Harfe erschlagen. [1]

Vielleicht is es ja das, was gerade passiert.

[1] Stanislaw Jerzy Lec: Aphorismus aus "Unfrisierte Gedanken"

Rück-Sichts-Voll

Jens-Christoph Brendel

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