Open Source im professionellen Einsatz

Roboter-Lobby gegen Robotersteuer

27.02.2017

Roboter besteuern? Geht gar nicht, findet die International Federation of Robotics (IFR) und kritisiert einen entsprechenden Vorschlag von Ex-Microsoft-Chef Bill Gates. Das überrascht wenig.

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Bill Gates hatte angesichts der zunehmenden Automatisierung gefordert, Roboter zu besteuern, um etwa Sozialausgaben zu finanzieren. Die Prämisse seines Vorschlags: Wenn Roboter konventionelle Arbeitsplätze ersetzen, gehen auch Steuergelder verloren. So gesehen müssten Staaten also auch Roboter besteuern.

Nun meldete sich die International Federation of Robotics (IFR) zu Wort und kritisierte Bill Gates. Wer nach dem Zweck der Vereinigung schaut, stößt auf folgende Sätze:

The purpose of IFR shall be to promote and strengthen the robotics industry worldwide, to protect its business interests, to cause public awareness about robotics technologies and to deal with other matters of relevance to its members.

Zu den Mitgliedern der Organisation gehören vor allem die Roboterproduzenten verschiedener Länder, für Deutschland ist es der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), ähnlich Verbände aus Frankreich, Spanien, China oder Japan sind dort ebenfalls vertreten.

Der Einsatz von Robotern würde eher mehr Arbeitsplätze schaffen, behauptet die IFR und verweist auf ein Beispiel aus der Autoindustrie. Demnach wurden in der US Autoindustrie zwischen 2010 und 2015 rund 135 000 neue Industrieroboter eingeführt, zugleich stieg die Zahl der Beschäftigten um 230 000. Klingt gut, allerdings hat die IFR diese Studie selbst erstellt, was sie in der Replik auf Bill Gates allerdings nicht erwähnt.

Das muss sie nicht falsch machen, ob Roboter aber tatsächlich Arbeitsplätze schaffen oder vernichten, ist noch nicht eindeutig geklärt. Gegner der Prämisse gehen davon aus, dass zwar traditionelle Jobs verloren gehen, aber neue entstehen, wie dies auch beim Internet der Fall sei. Oder, wie John Markoff von der New York Times schrieb, den Suchmaschinenoptimierer habe es als Job vor ein paar Jahren noch nicht gegeben. Andere argumentieren hingegen, dass vor allem einfache Jobs wegfallen, aber zugleich keine neuen einfachen Jobs entstehen.

Allerdings kritisiert die IFR nicht per se eine Besteuerung von Robotern, sondern plädiert dafür, die mit den Robotern erwirtschafteten Gewinne zu besteuern, um Innovationen nicht zu ersticken. Hier liegt aber ein weiterer Knackpunkt: Die Gewinne verlagern Unternehmen dank zahlreicher Schlupflöcher gern in andere Länder mit niedrigen Steuersätzen oder halten die Gewinne gleich künstlich klein wie einst Amazon.

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