Die letzte Woche stand bei dem Distributor aus Raleigh voll im Zeichen der neuen Releases, und die Stoßrichtung ist klar: Red Hat will mit RHEL 6.4, RHEV 3.1, Open Shift und Cloud Forms 1.1 die Open-Source-Wolke für sich erobern und dem großen Konkurrenten VMware weiter Marktanteile streitig machen.
Der Cloud-Angriff gilt jedoch nicht alleine VMware, auch Microsoft und Oracle müssen sich warm anziehen, zumindest wenn es nach den Verlautbarungen der Red-Hat-Mitarbeiter geht. VMware, weil das neue Red Hat Enterprise Virtualisation RHEV 3.1 schneller und billiger sei, Oracle, weil Red Hat natürlich schon immer das bessere Enterprise Linux habe und auch besseren Support bieten könne. Ob Microsoft die Unterstützung für Hyper-V in Red Hat Enterprise Linux 6.4 freuen kann, sei dahingestellt, auf jeden Fall integriert sich RHEL mit der neuen und letzten Beta für Version 6.4 deutlich besser in MS-Landschaften, auch dank der optimierten Active-Directory-Unterstützung. Die zahlreichen Änderungen und Verbesserungen listen die Release Notes des Herstellers. Außerdem sei RHEL 6 seit Ende November gemäß der EAL4+-Zertifizierung (Common Criteria Evaluation Assurance Level 4) ausgezeichnet, dem höchsten möglichen Zertifizierungsgrad für unmodifizierte Betriebssyteme. Die finale Version von RHEL 6.4 ist für Anfang 2013 geplant, soll aber schon bald von Version 7 (nach Fedora 18) gefolgt werden.
RHEV 3.1 endlich ohne Windows
Eine Schicht höher arbeitet die Red Hat Enterprise Virtualization RHEV. Die steht seit Donnerstag in Version 3.1 zur Verfügung und beseitigt endlich einen Makel, der Red Hat und seinen Entwicklern über die Jahre viel Spott und Häme eingebracht hatte. 2008 hatte Red Hat den israelischen KVM-Spezialisten Qumranet gekauft, musste aber feststellen, dass dessen als VMware-Konkurrent geplante Virtualisierungs-Management-Stack zunächst nicht ohne Active Directory und MSSQL Server lief und sich nur per Internet Explorer bedienen ließ. Das hat nun ein gutes Ende, den Distributor aber auch mehr als vier Jahre Entwicklungsarbeit gekostet. Nachdem Red Hat seit Anfang des Jahres eine Preview (ohne Windows) bereitstellte, steht jetzt erstmals eine echte, komplette und “Windows-Free”-Version der Open-Source-Virtualisierungslösung bereit. Die bringt auch ein Command-Line-Interface, erlaubt pro Gast bis zu 160 virtuelle CPUs und 2 TByte RAM und eine Benutzeroberfläche, die auf jedem Browser funktionieren soll.
Storage Migration und Management
Weitere Neuheiten sind die Storage Live Migration, als Tech Preview ist auch das Red Hat Storage Management enthalten, sowohl Platten wie auch Netzwerkinterfaces sind hot-pluggable. In Sachen Performance gibt sich der Hersteller optimistisch und verweist auf Ergebnisse des SPECvirt_sc2010, wo RHEV die 7 besten Plätze einfahren konnte und als einzige Virtualisierung Maschinen mit 8 Prozessorsockets unterstützte. Nicht zuletzt daraus leitet der Hersteller einen signifikanten Kostenvorteil ab, der jedoch mit Vorsicht zu genießen ist: Zu unterschiedlich sind die Konditionen von Red Hat und VMware, mal wird per Core, mal per Socket abgerechnet.
Cloud Forms 1.1 und Virtualisierungsbundle
Noch eine Abstraktionsebene höher liegen die von den Roten Hüten schon länger avisierten, ebenfalls letzte Woche neu beworbenen Angebote aus dem IaaS- und PaaS-Bereich. Neu geschnürt hat man dabei das “Red Hat Cloud mit Virtualization Bundle“, das offenbar verstärkt Neukunden anlocken soll. Es beinhaltet Funktionen zum Management der virtuellen Maschinen, des Systemmanagements und fürs Application Lifecycle Management. Dazu kombiniert es Red Hat Enterprise Virtualization und Red Hat Cloud Forms, darunter arbeitet natürlich immer RHEL. Cloud Forms selbst bezeichnet der Hersteller als hybride IaaS-Plattform, die das Management der Virtualisierung erleichtert. In Version 1.1 haben dabei System Groups für die Verwaltung von Maschinen, die Anbindung an vorhandene LDAP-Dienste und die “Content Search” Einzug gehalten. Als eine Art Selbstbedienungsportal will Cloudforms Admins viele Aufgaben erleichtern, die sich heute im Satellite Server oder anderen Produkten abspielen.Unter anderem lassen sich mit dem Stack Appliances für Amazon, VMWare oder KVM bauen und über deren gesamten Einsatzzeitraum überwachen und verwalten (Lifecyclemanagement). Das ebenfalls vorgestellte Bundle der “Red Hat Hybrid IaaS Solution” bringt Software zum Aufbau einer Hybriden Cloud, während Open Shift als Platform-as-a-Service dienen wird.
Open Stack “Folsom”
Ebenfalls noch relativ neu ist Open Stack “Folsom” als Tech Preview im Stack, es soll 2013 als Full Release einziehen.Open Stack dient Red Hat heute für Fälle, die eher einem Hosted-Szenario nahe kommen, wären KVM und RHEV eher “von unten her” für die private Cloud zum Einsatz kommen und – wie einige der neu vorgestellten Produkte – auch ganz gezielt auf den On-Premis-Markt abzielen.





