Bereits davor waren Einzelheiten durchgesickert. Das Gerücht, dass der Hersteller ein eigenständiges Desktop-Produkt auf den Markt bringen würde, bestätigte sich. In den neuen Preislisten ist das Produkt unter dem Namen Red Hat Enterprise Desktop in der Basisversion für 60 Euro gelistet. Red Hat will damit offensichtlich dem Novell-Wettbewerber Suse Linux Enterprise Desktop ein Produkt entgegensetzen. Novell produziert zudem mit OpenSuse eine Software-Box für Heimanwender, die in der Version 10 zum Listenpreis von 59 Euro auf den Markt kam.

Wie schon vorab gemeldet, integriert der amerikanische Hersteller mit Red Hat Enterprise Linux 5 (RHEL) die Virtualisierungslösung Xen. Außerdem wurde die enge strategische Zusammenarbeit mit Prozessorhersteller AMD bekanntgegeben, aber auch die Partnerschaft mit Intel wird erwähnt. Hardwareseitige Virtualisierung auf einer gemeinsamen und einheitlichen Software-Architektur soll die Möglichkeiten dieser Technologie noch besser ausschöpfen. Dieser neue Schwerpunkt hat auch Auswirkungen auf die Preisstrukturen. Es gibt keine Preiserhöhung, jedoch andere Preisgrundlagen, dies sich auch an Virtualisierungsebenen orientieren sollen.

Bislang werden die Preise der AS-, ES- und WS-Varianten nach der Zahl der CPUs und der Speichergröße berechnet. Diese Varianten sind in der neuen Preisliste nicht mehr zu finden, stattdessen gibt es nur noch eine Red Hat Linux Enterprise Advanced Platform mit verschiedenen Supportlevels, und die Anzahl der virtuellen Instanzen ist für den Preis mitbestimmend. Auch dem Trend zu Blade-Servern ist Rechnung getragen worden, denn die Zahl der CPU-Sockets wurde gleichfalls berücksichtigt.

Die Preise für Support und Systempflege reichen von zwei CPU-Sockets für kleinere Server bis hin zu einer unbegrenzten Zahl an Sockets. In der Preisliste findet sich nun auch eine "Multi-OS"-Option, die auf die virtuellen Instanzen der Betriebssysteme Bezug nimmt. Insgesamt wirft die neue Preisliste bei Red-Hat-Händlern und -Kunden noch Fragen auf. So wird beispielsweise gerätselt, wie sich die veränderte Preisgrundlage auf noch laufende Lizenzen auswirkt. Kunden, die ein RHEL 3 oder 4 im Einsatz haben, konnten während eines laufenden Supportvertrags beliebig zwischen den Versionen wechseln. Wie dies nach der Änderung der Berechnungsgrundlage funktionieren wird, ist noch unklar. Für eine Übergangsfrist von vier Wochen herrscht zumindest die Gewissheit der alten Preisliste, wie das Linux-Magazin erfahren konnte.

Red-Hat-Partner haben zudem die Befürchtung, dass der verstärkte Einsatz von Virtualisierung Umsatzeinbußen nach sich ziehen könnte. Kunden, die bislang jeden Server einzeln für Support und Updates angemeldet haben, könnten die Möglichkeit nutzen, und die Zahl mit der nächsten Anschaffung über Virtualisierungstechnologie auf ein Viertel der bisherigen Menge reduzieren.