Open Source im professionellen Einsatz

Red-Hat-CEO: "sehen Microsoft beim Kunden nur mehr selten"

08.05.2013

Im Interview mit Infoworld erklärt Red Hats CEO Jim Whitehurst, warum er gerne mehr Microsoft bei Kunden sähe, wie Unix verschwindet und warum Open Source das Standardmodell geworden ist. Außerdem bekräftigt er, dass Red Hat weder eine Desktop- noch eine Mobile-Strategie verfolgen werde, schließlich habe man als Enterprise-Company den Client nicht im Fokus.

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Ja, Suse habe zwar traditionell die engeren Kontakte zu Microsoft, doch auch Red Hat würde sich manchmal wünschen, mehr mit den Redmondern zusammenzuarbeiten. Doch leide sehe man die gar nicht mehr so oft in Angeboten bei Kunden, erklärt Jim Whitehurst, Red Hats CEO im Interview mit Infoworld. Und angesichts der Größe und des Wachstums der Rothüte in den letzten Jahren sei das wohl ohnehin kein Hindernis gewesen.

Nur bei Zertifizierungen kooperiert Red Hat mit MS

Zwar habe man in Sachen Zertfizierung durchaus Kooperationen mit Microsoft (Hyper-V und RHEL sowie Windows Server und RHEV sind im Cross-Virtualiziation Zertification Program wechselseitig als Plattform zertifiziert), aber bei Kunden? "Ich wünschte mir durchaus, Windows mal öfter in Deals zu sehen, aber  die Architekturentscheidungen fallen offenbar schon, bevor Kunden mit uns oder Microsoft Kontakt aufnehmen." Auf jeden Fall ist allen Unternehmen klar, dass das, was heute auf Unix läuft, morgen auf Linux migriert wird. Das ist für die einfach eine Kostenfrage: Unix-Hard- und Software ist einfach zu teuer. Funktional hat Linux stark aufgeholt und ist konkurrenzfähig geworden, vor allem in Sachen HA, Sicherheit und Performance." Dafür gebe es zahlreiche Belege: "Mehr als die Hälfte des globalen Aktienhandels wird mittlerweile von Linux-Systemen bedient."

Red Hat braucht keine Desktop- oder Mobil-Strategie

Auf dem Desktop jedoch hat das klassiche Linux wenig Chancen, meint Whitehurst. Aber das liege eher am Paradigmenwandel hin zu HTML5 und Apps, wo die eigentliche Software auf dem Server laufe, nicht mehr lokal. "Der Desktop hat einfach keine strategische Bedeutung mehr. Und überhaupt: Windows, Mac, Chromebooks? Chromebooks sind Linux, Android ist Linux." Red Hat kann's egal sein: Weder den Desktop noch den mobilen Markt sieht Whitehurst als Ziel. "Wir sind eine Enterprise Company, und unser Geschäftsmodell hat nichts mit Client Devices zu tun.", erklärt Whitehurst etwa auf die Frage, ob Red Hat vergleichbares wie Canonicals Mobil-Strategie anstrengen wolle.

Big Business treibt OSS an

Viel wichtiger für die Linuxer aus Raleigh sei es da, die Themen Cloud Computing oder auch Trends wie Big Data zu bedienen und voranzutreiben, denn da sei Open Source  konkurrenzlos. Das liege vor allem daran, dass "die großen Web-Companies ohnehin ihre Problemlösungen in der Regel komplett in Open-Source implementieren." Deshalb sei OSS heute der Standard. Nur die Problematik der Software-Patente müsse man noch lösen, und da sehe er trotz marginaler Erfolge keine kurz- oder mittelfristige Lösung.

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