Open Source im professionellen Einsatz

Prognose: Diese zehn Open-Source-Unternehmen feiern 2008 Erfolge

18.12.2007

Glaubt man einer Prognose der amerikanischen Handelsplattform TechIQ, werden Red Hat, Google Android, Canonical und MySQL zu den Gewinnern des Jahres 2008 zählen. Hingegen soll Novell als Open-Source-Unternehmen keine große Rolle spielen.

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Der TechIQ-Autor nennt sich "VAR-Guy", wobei VAR die Abkürzung für Value Added Reseller ist, nicht ganz zutreffend übersetzt mit "Systemhaus". Seine Top-Ten-Prognose beginnt er mit einer "offensichtlichen Wahl", dem Linux-Distributor Red Hat. Als Kritierium sieht er unter anderem das ehrgeizige strategische Ziel des Unternehmens, bis 2015 einen Marktanteil von fünfzig Prozent bei Servern zu erreichen, die guten Quartalszahlen mit 28 Prozent Umsatzsteigerung in den letzten Finanzberichten dienen als weiterer Beleg. Oracles Angriffe mit einer eigenen Linux-Variante und Supportangeboten hatten seiner Meinung nach bislang keine große Auswirkung auf die Geschäfte Red Hats. Die umstrittene Vereinbarung zwischen Novell und Microsoft habe dem Unternehmen unter den Open-Source-Befürwortern weitere Kunden zugetrieben. Den Schlingerkurs Red Hats in der Desktop-Strategie mit den gehäuften Terminverschiebungen betrachtet er als eine der Herausforderungen im kommenden Jahr. Die Lücke, die Red Hat und Novell im Desktop-Umfeld gelassen hatten, konnte die Linux-Distribution Ubuntu für sich nutzen und Marktanteile gewinnen.

Canonical, das Unternehmen hinter Ubuntu, sieht der TechIQ-Autor unter den Top Ten der Open-Source-Unternehmen 2008. Zum Erfolg weiter beigetragen habe dabei Hardwarehersteller Dell, der das Betriebssystem für seine vorinstallierten Linux-Rechner wählte. Als strategisch richtig wertet er die angekündigte Serverversion und sieht das Unternehmen auch dank des Finanzpolsters vom Gründer Mark Shuttleworth als gut gerüstet für den Wettbewerb. Dank der Finanzkraft Googles nennt der Artikel auch die Mobilplattform Android mit den Partnerfirmen als Kandidaten auf seiner Hitliste 2008.

Dabei ist auch das Unternehmen SugarCRM; das mit seiner gleichnamigen CRM-Plattform in 2007 Erfolge verbuchen konnte. Als Sicherheitsanbieter wird das Startup-Unternehmen Untangle genannt, mit einem Open-Source-Gateway gegen Spam, Spyware und Viren samt umfangreichem Serviceangebot. Wordpress sieht der Autor als Quasi-Standard für Blog-Software, weshalb er dem dahinterstehenden Unternehmen Automattic wirtschaftliche Erfolge prophezeit. Als ERP-System hält er das spanische Unternehmen mit der gleichnamigen Software OpenBravo für zukunftsträchtig. Für Business-Intelligence-Lösungen nennt er JasperSoft wegen der engen Zusammenarbeit mit SugarCRM und MySQL. Digium soll mit der freien Voice-over-IP-Software Asterisk weiter expandieren. Auf Platz eins der Hitliste setzt der Autor den populären Datenbankanbieter MySQL, deren freie Community-Version Bestandteil der meisten Linux-Distributionen ist. Gerüchten zufolge soll das Unternehmen im Jahr 2008 an die Börse; im Jahr 2007 trennte MySQL die Entwicklung der freien und der kostenpflichtigen Enterprise-Version voneinander.

In Kommentaren auf der Webseite auf das Fehlen von Novell in seiner Liste angesprochen, meint der Autor, er setze wenig Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens und verlinkt auf eine Webseite, die den aktuellen Quartalsbericht Novells kritisch hinterfragt. Nach wiederholten Schwierigkeiten mit der Börsenaufsicht hatte Novell die aktuellen Zahlen verspätet vorgelegt, in denen der Konzern für das vierte Quartal Verluste meldet.

Nicht auf der Liste erwähnt wird das Trendthema Virtualisierung, das im Jahr 2007 Markt stark bestimmte. Die freie Software Xen beispielsweise wird von zahlreichen Unternehmen wie Red Hat integriert, und die Anbieter Oracle und Sun wollen die Virtualisierung in eigenen Versionen weiter entwickeln. XenSource, das Unternehmen hinter Xen, wurde 2007 von Citrix gekauft. Dank einer engen Partnerschaft Citrix' mit Microsoft ist es wohl nicht unproblematisch, XenSource als Open-Source-Unternehmen zu bezeichnen. Zu nennen wäre sicher auch der Wettbewerber VMware, der in diesem Jahr einen fulminanten Börsenstart hingelegt hat und sich weiterhin über Wachstum freut.

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