Big Blue sagt dem verbreiteten Server-Sprawl, laut Jargon File "eine planlos wachsende Zahl schlecht ausgelasteter Server" im Rechenzentrum, den Kampf an. In vielen Unternehmen fänden sich bisweilen mehrere hundert Linux-Server, die oft nur mit geringer Last laufen und sich perfekt zur Kosolidierung auf einer Virtualisierung eigneten. An sich nichts neues, boomt doch der Virtualisierungsmarkt rund um VMware, Citrix, Red Hat und KVM/Libvirt seit Jahren.

Neu an IBMs Produkt Power VM ist jedoch die Plattform und Integration: Mit Power-7-CPUs, einem eigenen Typ-1-Hypervisor, der als Firmware direkt auf der Hardware läuft und sich im wesentlichen dem Zugriff durch den Admin entzieht, dazu reichlich Hardware entweder als Blade-System ("Pure Systems") oder als 19-Zoll-Server fürs untere Preissegment. Auf dem Hypervisor laufen RHEL und SLES, fertige Konfigurationen sehen auch SAP- und Big-Data-Szenarien vor.

Power-Linux

Linux auf Power spielt dabei die wichtigste Rolle. Sowohl AIX als auch andere Betriebssysteme bleiben außen vor. Der Hypervisor soll laut IBM alles bringen, was moderne Virtualisierungen zu bieten haben, zum Beispiel Hotplugging für CPUs, RAM und I/O, aber auch CPU-Leistungsgarantien für Gäste und Overcommitment. Die Treiber für die virtuellen Gäste sind bereits im Vanilla-Kernel upstream, auch weil IBM sie von Anfang an unter freier Lizenz veröffenticht hat. Dank dem Single Source Tree für SLES und RHEL fidnet der Linux-Admin, der seine Serverlandschaft konsolidieren will, auch auf Linux for Power identische Softwareversionen vor, die er auch auf x86-Systemen verwendet hätte. Aber auch Debian- oder andere Power-Linux-Varianten lassen sich auf den IBM-Geräten betreiben. Probleme bereiten derzeit noch proprietäre Softwareprodukte, die nicht für die Powerarchitektur vorliegen oder sich mangels Source Code nicht dafür kompilieren lassen, in den von IBM angestrebten Szenarien betrifft das vor allem ISV-Software, weniger Flash oder den Adobe Reader.

Das Einsteigerpaket mit 19-Zoll-Rack Server mit Power-7-PC wird um die 21000 Euro netto kosten, wobei darin bereits Software (für die virtuellen Enterprise Linuxe), Subskriptions und Support enthalten sind. Die Lizenz für die Virtualisierung und das mitgelieferte Power VM Management schlägt hier mit etwa 6000 Euro zu Buche. Für die "Blue Systems" gibt es noch keine offiziellen Preise.