Beim Testen des Phenom II X6 bemerkte die Redaktion, dass AMDs neuer Platzhirsch auf aktuellen Kerneln nicht die volle Leistung brachte: Ein Bug im Linux-Powermanagement kommt dem Sechskerner ins Gehege .
Unter Ubuntu 9.04 mit Kernel 2.6.28 erbrachte der Phenom II X6 1090T – wie Intels “Gulftown” Core i7 980 – rund 19 Prozent mehr Leistung in der Benchmark-Sammlung LUbench. Unter 9.10 mit Kernel 2.6.31 blieb die Leistung jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Erst die im Bios deaktivierte Stromspartechnik Cool’n’Quiet verhalf dem Phenom II X6 auch unter Ubuntu 9.10 zu voller Leistung.
AMDs für Linux zuständiges Operating Systems Research Center (OSRC, Leiter Chris Schläger) in Dresden bestätigt auf Nachfrage das Problem: Der neue Turbocore-Modus des Phenom II X6, mit dem er sich bei wenigen Arbeiter-Threads selbständig übertaktet, bringt das powernow-k8-Taktregelungs-Kernelmodul durcheinander. Das Modul identifiziert den Turbo-Takt fälschlicherweise als höchste Taktstufe. Da aber nur die CPU selbst das automatische Übertakten regelt, führt das zum Knockout des Turbomodus. Auch das Heruntertakten bis zum Minimaltakt ist nicht möglich. Das Problem betrifft alle AMD-CPUs mit Turbocore-Modus. Derzeit sind das die Phenoms II X6 1055T und 1090T unter Kerneln ab 2.6.30.
Einen entsprechenden Patch hat AMD schon upstream geschickt. Der CPU-Hersteller macht Druck bei den jeweiligen Distro-Maintainern, dass der Patch möglichst bald per Aktualisierung verfügbar ist. Für das neue Ubuntu 10.04 soll er mit dem ersten Kernel-Update kommen. Wer wissen will, ob das eigene System betroffen ist, prüft das bei aktiviertem Cool’n’Quiet mittels
dmesg | grep “pstate 0”
Alternativ hilft ein Widget/Applet, das die möglichen Prozessortaktraten anzeigt. Steht hier als Maximalfrequenz (Pstate 0) der Turbocore-Takt des vorhandenen Phenom X6 (3600 MHz beim 1090T, 3300 MHz beim 1055T), gehört das System zu den ausgebremsten.
Bis der Patch verfügbar ist, sollten Linux-User, die von ihrem Phenom X6 die volle Leistung wollen, Cool’n’Quiet im BIOS deaktivieren beziehungsweise das Kernelmodul “powernow-k8” blacklisten – falls Windows parallel installiert ist, wäre das die sinnvollere Lösung. Der Stromverbrauch ist den Messungen der Redaktion zufolge nur im Leerlauf 17 Watt höher – zumindest unter dem dank altem Kernel nicht betroffenen Ubuntu 9.04. Unter Last ließ sich kein Unterschied messen, egal ob einer oder alle Kerne zu tun haben.



