Open Source im professionellen Einsatz

Partnerschaften: IBM formiert Angriff auf Microsoft

22.01.2008

In neuen Partnerschaften und Supportangeboten will IBM Microsoft auf dem Desktop angreifen. Gemeinsam mit den Linux-Unternehmen Canonical, Novell und Red Hat soll Lotus Symphony vermarktet werden, und mit SAP ist eine gemeinsam entwickelte Software unter dem Namen "Atlantic" geplant.

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Auf der IBM-Hausmesse Lotusphere in Orlando kündigte IBM eine Reihe neuer und intensivierter Partnerschaften an. Das große Ziel: Der hauseigene Open Collaboration Client soll den Desktop-Markt erobern und Microsoft Marktanteile abnehmen. Unter der Bezeichnung Open Collaboration vermarktet IBM bisher Lotus Notes 8, Domino und Lotus Symphony. Nun will das Unternehmen im Verein mit dem Linux-Hersteller Red Hat eine Variante auflegen, die speziell auf kleine und mittlere Unternehmen zielt. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen den Open Collaboration Client mit der Unternehmensvariante Red Hat Enterprise Linux (RHEL) für Server und Desktop vermarkten. Auch Red-Hats Wettbewerber Novell verkauft die IBM-Lösung als Teil von Suse Linux Enterprise. Ein weiteres Linux-Unternehmen hat IBM für eine Zusammenarbeit gewonnen: Mit Canonical, dem Unternehmen hinter Ubuntu will "Big Blue" eine integrierte Open Collaboration-Lösung anbieten, die speziell für Desktops, Laptops und Thin Clients konzipiert ist. Ab der zweiten Jahreshälfte 2008 will IBM vollen Support für Ubuntu Linux anbieten.

"Indem wir mit offenen Standards eine Alternative zum proprietären Desktop-Modell bieten, können Unternehmen den passenden Software-Mix frei wählen", erklärt IBM-Mitarbeiterin Inna Kuznetsova die strategische Richtung. Diese Strategie und die Bemühungen um Open Source Software auf den Desktop gewannen im Sommer 2007 neuen Schwung: Im August wurde IBM offizieller Unterstützer der freien Bürosoftware OpenOffice.org, gleichzeitig gab das Unternehmen seine Pläne für die neue Application Suite mit Namen Lotus Symphony bekannt (Linux-Magazin Online berichtete). IBMs Symphony basiert im Wesentlichen auf den Bestandteilen von der freien Bürosoftware und beinhaltet neben den OpenOffice-Anwendungen zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation zusätzliche IBM-Anwendungen. Als Vorteile von Symphony führt IBM ins Feld, dass die Software den freien Dokumentstandard ODF ebenso wie Microsoft Office und die Lotus-Smart-Suite-Formate unterstützt. Aktuell steht Lotus Symphony in der dritten Beta-Version zum Download zur Verfügung, Ende Januar soll Beta vier freigegeben werden. Mit der neuen Version soll es für Drittanbieter einfacher werden, zusätzliche Unternehmensfunktionalitäten in Symphony einzubinden, beispielsweise indem Rechnungen und Lieferscheine direkt aus der Tabellenkalkulation heraus erstellt werden können.

Das Collaboration-Paket soll durch eine weitere Partnerschaft aber noch konkurrenzfähiger werden: Ebenfalls auf der Lotusphere verkündet IBM seine gemeinsamen Pläne mit Softwarehersteller SAP. Unter dem Codenamen "Atlantic" wollen die beiden Unternehmen bis Ende 2008 ein Softwarepaket auf den Markt bringen, das Lotus Notes mit der SAP Businesse Suite bündelt. Damit sollen Lotus-Notes-Anwender direkt aus der gewohnten Benutzerumgebung heraus auf die SAP-Geschäftsprozesse und -daten zugreifen können. Als Anwendungsbeispiel für die programmübergreifenden Funktionalitäten dient ein Reiseantrag eines Mitarbeiters, der einem Manager zur Entscheidung vorliegt. Der Entscheider könne die aktuelle Situation der Kostenstelle aus den SAP-Daten prüfen, bevor er mittels Lotus Notes die Reiseanträge genehmigt.

Glaubt man einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens Gartner, kann IBM für seinen Angriff auf dem Desktop die Unterstützung von SAP und den Linux-Unternehmen gut brauchen. Laut einer Analyse Ende September 2007 räumt Gartner Lotus Symphony nur geringe Chancen ein (wir berichteten).

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