Oracle setzt auf eigene DB, Sparc und Unix
In München hat Oracle am Mittwoch die zukünftige Strategie der Sun-Übernahme vorgestellt: Das junge Paar verkauft jetzt Komplett-Produkte und will neben der Oracle DB vor allem Solaris und Suns Servertechnologien Sparc und Flashfire weiterentwickeln.
Der Geschäftsführer von Oracle Deutschland, Jürgen Kunz, beschreibt die Stimmung bei Oracle, die durch die EU-Prüfung der Übernahme zusätzlich Zeit hatte zu gären, wie folgt: Man spreche intern von einer "Schwangerschaft" und es gehe darum, ein "Kind großzuziehen". Die Dimension mit Sun sei eine komplett neue. Das Portfolio sei "einzigartig" und "keine andere Firma kann Ähnliches bieten". Dermot O'Kelly, Oracles Vice President für Hardware in Europa, machte die Sache konkret und stellte den "Oracle-Stack" vor.
Der Oracle-Wrap
Unter dem Moto "Complete, open, integrated" fängt dieser Stack am Hardware-Ende mit Storage, Servern und virtuellen Maschinen an, wandert hinauf über Betriebssysteme und Datenbanken bis hin zu Middleware und Anwendungen. Klare Botschaft: Je mehr ein Kunde bei Oracle als integriertes System kauft, desto bessere Ergebnisse könne er erwarten. Vorhandene Infrastruktur-Elemente sollen Kunden jedoch integrieren können.
Offene Standard waren in Dermot O'Kellys Vortrag immerhin mit einer eigenen Folie erwähnt. Links auf der Folie ist der "Oracle-Stack" zu erkennen.
O'Kelly verwies stolz auf das erste Produkt der in einen Topf geworfenen Kompetenzen von Oracle und Sun. Der im September 2009 erstmals angekündigte Bolide Exadata v2, eine Datenbank-Maschine mit Hardware von Sun und Software von Oracle, soll IBM in der Leistung weit hinter sich lassen. Mit derlei gemeinsamen Produkten möchte Oracle in Zukunft den Markt aufmischen, lässt der Hardware-VP wissen.
Wie das aussehen soll, umriss Marketing-Manager Rolf Kersten von Sun Microsystems. Demnach sieht sich Oracle nun nicht mehr nur als Nummer eins bei den Datenbank-Anbietern, sondern auch im Unix-Servermarkt. In den "Technologie-Diamanten" Solaris sowie in den Sparc-Prozessor will Oracle mehr investieren als Sun bisher. Auch die x86-Maschinen sollen einerseits als Bestandteil von integrierten Systemen, andererseits als Standalone-Lösungen weiterentwickelt werden. Sämtliche Hardware wird dabei auf die Oracle-Datenbank optimiert, womit der Konzern großen Performance-Gewinn verspricht.
MySQL? Ja, aber
Auf die Frage von Linux-Magazin Online, ob dieselben Leistungsbeschreibungen zum Beispiel auch für MySQL-Setups gelten, antwortete der seit 12 Jahren bei Sun arbeitende Kersten mit "Ja" - allerdings erst auf wiederholtes Nachfragen. Zunächst wich er in seiner Antwort auf "Drittanbieter" und "Zertifizierungen" aus. Schließlich rang er sich zu einem "MySQL gehört schließlich zu den Inhouse-Produkten" durch. Bis auf weiteres so darf interpretiert werden, ist die Antwort auf die MySQL-Frage eher ein: Ja, aber.
Die Oracle-Veranstaltung "Welcome Event Oracle + Sun: Umgestaltung der IT-Branche" am 10. März in München war vor allem von (potentiellen) Kunden gut besucht.
Insider glauben, dass Oracle die eigene Datenbank und MySQL in verschiedenen Segmenten ansiedeln werde und damit nicht als Konkurrenz im eigenen Haus betrachte. Nach diesen Quellen halte Oracle MySQL im High-End-Bereich für nicht gefragt. Andere Beobachter ziehen außerdem Parallelen zwischen Oracles Sun-Akquisition und derjenigen von Suse durch Novell: Ein Lizenz-orientiertes Unternehmen bringe ein Open-Source-orientiertes in seinen Besitz - und verhalte sich dabei ungelenk.
Die Veranstaltung zeigte allerdings, dass sich Oracle weder mit Linux noch mit Open Source als strategischen Vorteil im Markt positionieren will - obwohl sich das Unternehmen vor nicht allzu langer Zeit gebrüstet hatte, das Open-Source-Prinzip besser zu verstehen als die EU. Offene Standards fanden zwar Erwähnung, es läuft aber wohl eher darauf hinaus, dass die Open-Source-Sparte mit MySQL, Open Office und den freien Java-Bestandteilen in Nischen weiterblüht. Zusagen, die Projekte leben zu lassen, gibt es jedenfalls.





