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OpenBSD 4.1 ist da - mit Greytrapping und Linux-Kritik

Pünktlich im Halbjahrestakt steht das freie Betriebssystem OpenBSD 4.1 seit dem 1. Mai zum Download bereit.

Die Entwickler des Unix-ähnlichen Betriebssystems stellen Varianten für zahlreiche Hardware-Plattformen zur Verfügung. Hierunter fallen i386, amd64, sparc64 und macppc. Für Systeme mit Suns Ultrasparc-III-Prozessor verspricht die neue Version eine erheblich verbesserte Performance. Für den Einsatz auf Embedded-Systemen wurde schon seit längerem Sharps ARM-basierter Zaurus unterstützt. Neu hinzugekommen für dieses Einsatzgebiet ist nun die auf Hitachis SH4-CPU-basierende Landisk, die sich als NAS oder als Mini-Server betreiben lässt.

OpenBSD wirbt damit, ein extrem sicheres Betriebssystem zu sein und weist auf seiner
Projektseite darauf hin, dass die Standardinstallation in zehn Jahren dem Netzwerk nur zwei Sicherheitslücken zeigte. Dementsprechend haben die Entwickler auch in OpenBSD 4.1 den sicherheitskritischen Funktionalitäten hohe Aufmerksamkeit gewidmet.

Weiterentwickelt wurde auch der OpenBSD-eigene Spam-Abwehrdienst Spamd. Dieser unterstützt nicht nur White-, Black- und Greylisting, sondern jetzt auch das so genannte Greytrapping. Bei dieser Methode definiert der Betreiber des Servers eine falsche Mailadresse, die nicht für den tatsächlichen Einsatz gedacht ist. Sie dient einzig dazu, Spam-Mails aufzufangen und stellt somit Spam-Versendern eine Falle, (englisch: Trap). Spamd merkt sich die Absender und sperrt deren IP für einen gewissen Zeitraum. Auf diese Weise kann sich ein Mailserver dynamisch an das veränderliche Spamverhalten im Netz anpassen.

Nach Angaben des Entwicklerteams kommt OpenBSD häufig als Plattform bei Internet-Knotenpunkten und Internet-Service-Providern (ISP) zum Einsatz. Für diese Zielgruppe besonders interessant ist das neue Tool Hoststated zum Loadbalancing von Dritt-Software, also den Diensten, die ISPs ihren Kunden oder den Besuchern der Webseiten zur Verfügung stellen. Auch die Bedienoberfläche, die so genannten Looking Glasses, in OpenBGPD wurden verbessert. Ganz neu ist der nun zum Basissystem gehörende RIP-Daemon, so dass nun keine Drittsoftware installiert werden muss, wenn die OpenBSD-Maschine das Routing Information Protokoll (RIP) nutzen soll. Unter den wichtigsten aktualierten Programmen sind zudem OpenSSH 4.6, Sendmail 8.14.0 (mit Libmilter), Bind 9.3.4 (mit Patches) und X.Org 6.9.0. Auf den Mirrors des Projektes stehen ausserdem über 4000 weitere Ports wie Mozilla Firefox 2.0.0.2, KDE 3.5.6 oder PostgreSQL 8.2.3 zur Nachinstallation zur Verfuegung.

Besonders viel Aufmerksamkeit legt das OpenBSD-Team auch auf die Verpackung, sprich: die CD-Hülle mit dem Wappentier Puffy, einem wehrhaften Kugelfisch. Der Kugelfisch wird hierbei meist als Parodie auf prominente Figuren oder Geschichten dargestellt. Unter dem Titel "Puffy Baba and the 40 Vendors" wird deutlich, welches Thema die Entwickler in den letzten Monaten schwer beschäftigt hat. Diesmal verpackt das Team hier recht unverhüllt seine Kritik an einigen Linux-Entwicklern. Der Novell-Mitarbeiter Greg Kroah-Hartman hatte Hardware-Herstellern angeboten, kostenlos Linux-Treiber zu entwickeln, auch wenn die Dokumentation unter NDA-Vereinbarung steht und nicht veröffentlicht werden darf. Nach Meinung der OpenBSD-Entwickler ist jedoch frei verfügbare Dokumentation der einzige Weg, Hardwaretreiber für alle verfügbaren Plattformen und Betriebssysteme zu schreiben. Auf Mailinglisten hatte auch OpenBSD-Projektleiter Theo de Raadt seinem Unverständnis Luft gemacht. Der
Text des OpenBSD-4.1-Liedes befaßt sich ausführlich mit dem Thema und schildert den Groll des BSD-Teams auf die Linux-Entwickler. Das Lied ist traditionsgemäß auf der CD mit dem Betriebssystem enthalten. Mit dem Verkauf von CDs und Fanartikel finanziert sich das freie Projekt zu weiten Teilen.

(Britta Wülfing)
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