Heise-Open-Chefredakteur Oliver Diedrich präsentierte die Ergebnisse auf der OSMB-Konferenz in Nürnberg: Zwar seien die Ergebnisse nicht repräsentativ für die komplette Wirtschaft, doch ließen sie Rückschlüsse auf die Meinung von Unternehmen zu, die bereits OSS einsetzen. Die Stichprobe sei in dieser Größe außergewöhnlich, unterstrich Diedrich auch wenn sie zwangsläufig einer gewissen Selbstselektion unterliege: "Wir haben die Leser eines Online-Angebotes für Open Source befragt, daher ist diese Gruppe überrepräsentiert."

Die Teilnehmer kamen aus Unternehmen aller Größen, bei den Branchen dominierten Softwareanbieter, Dienstleister, Industrie sowie Forschung und Lehre mit der Hälfte der Rückläufer. Abgesehen davon verteilten sich alle anderen Antworten jedoch recht gleichmäßig über
ein Dutzend anderer Unternehmenszweige auch abseits der klassischen IT. Es überraschte das Ergebnis, dass über 90 Prozent der kleinen Unternehmen bis 50 Mitarbeitern (KMU) Open Source eine besondere Bedeutung zumessen. Studien in der Vergangenheit hätten nahegelegt, dass OSS besonders in großen Firmen zum Einsatz komme. Hier habe sich in der letzten Zeit ein Wandel vollzogen, weil Linux auch für KMUs einsetzbar sei, analysierte Diedrich.

Bei der Art der eingesetzten Software dominieren zwar noch Infrastrukturthemen wie Web-, Datenbank- und Mailservern bei rund 80 Prozent der Teilnehmer, doch Unternehmenssoftware laut der Umfrage einen immer größeren Raum ein. Zwei Drittel haben mindestens eine Open-Office-Installation, über die Hälfte mindestens einen Linux-Desktop im Einsatz.

Ein Raunen ging durch den vorrangig von Unternehmensvertretern besuchten Kongresssaal, als Diedrich die beliebtesten Server-Betriebssysteme vorstellte: Zwar lagen die Enterprise-Versionen SLES von Novell (27 Prozent) vor Opensuse (23 Prozent) und RHEL von Red Hat (15 Prozent) vor Fedora (6 Prozent), aber Ubuntu (32 Prozent) und vor allem Debian mit 47 Prozent hängten die kommerziell vertriebenen Distributionen klar ab. Zu bedenken gilt jedoch, dass Mehrfachantworten möglich waren und dass das Feld bei größeren Unternehmen dichter beisammen lag.

Ein gutes Zeugnis stellten die Anwender Open Source hinsichtlich Zufriedenheit und Qualität aus: Jeweils rund 90 Prozent aller Anwender nannten ihren Reifegrad gut oder sehr gut und hatten an OSS nichts auszusetzen. Das sagen nur rund 55 Prozent der Anwender, die proprietäre Lösungen verwenden. Dass knapp die Hälfte aller Teilnehmer trotz höherer Kosten durch Lizenzen unzufrieden sei, unterstreiche eindrucksvoll den Effekt des Vendor-Lock-In, meint Diedrich. Entsprechend nannten die Teilnehmer offene Standards (72 Prozent), Herstellerunabhängigkeit (71 Prozent) und Leistungsfähigkeit (67 Prozent) als wichtige Gründe für den OSS-Einsatz. Nach wie vor der Hauptgrund sind jedoch mit 88 Prozent Zustimmung die geringeren Lizenzkosten. Interessant sei, so Diedrich, dass besonders die unzufriedenen Anwender proprietärer Programme diese Begründung nennen. Wer bereits OSS einsetze, stelle die Unabhängigkeit und die Softwarequalität in der Vordergrund.

Die detaillierten Einzelergebnisse stehen gegenwärtig noch nicht zur Verfügung, sie sollen erst noch veröffentlicht werden. Verlag und Dienstleister planen jedoch die Studie im kommenden Jahr fortzuschreiben, um die Entwicklung zu beobachten.