Open Source im professionellen Einsatz

OPNFV soll die Telekommunikationsbranche aufmischen

23.06.2016

OPNFV bündelt Open Stack, virtualisierte Telekommunikationshardware und SDN zu einer Plattform und tritt damit eine Umwälzung los. Für die Vertreter der neuen Offenheit gibt es mit dem OPNFV-Summit eine eigene Konferenz, veranstaltet von der Linux Foundation.

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Spätestens 2020, das Jahr in dem die Industrie den Mobilfunkstandard 5G erwartet, soll es sich nicht mehr lohnen, ein Telekommunikations-Unternehmen (kurz Telco) zu betreiben. Das glauben jedenfalls die Projekte und Firmen auf dem OPNFV-Summit (Open Platform for NFV). Sie wollen mit Hilfe von Open Source die Infrastruktur von Telekommunikationsunternehmen kostensparend umkrempeln oder sind bereits dabei.

Auch die Telcos und die Betreiber ihrer Netzwerke selbst sind aber offenbar zu dieser Einsicht gelangt und geben ihre Anforderungen gern an die Hersteller der Software weiter. Laut einer Umfrage von Heavy Reading glauben mehr als 90 Prozent den Netzwerkbetreiber, das Projekt sei essenziell oder wichtig für die Telekommunikationsindustrie. Was sich auf dem OPNFV-Gipfel, der derzeit in Berlin stattfindet, beobachten lässt, ist eine Industrie im Umbruch, die aufgrund des Kostendrucks und wegen mangelnder Flexibilität von einem traditionellen zu einem Open-Source-Modell wechselt.

Open-Source- und Telco-Anbieter trafen sich auf dem OPNFV-Summit.

Fragt sich, was OPNFV überhaupt ist. Laut Heather Kirksey, der Leiterin des Linux-Foundation-Projekts OPNFV, handelt es sich um eine offene Plattform für NFV (Network Function Virtualization). Zu der gehören neben Open Stack auch Technologien wie Open Daylight und Open Vswitch für die SDN-basierte Netzwerkkontrolle. Hinzu kommen diverse VNF (Virtual Network Functions), die eher aus dem Telco-Bereich stammen. Es handelt sich in der Regel um virtualisierte Versionen spezialisierter, teurer, proprietärer Hardware, die bei einem Telco-Anbieter im Datacenter herumsteht und dort eine bestimmte Funktion erledigte.

Genau diese Hardware wollen viele Telekommunikationsanbieter aus Kostengründen und mit Hilfe von Virtualisierung loswerden. Denn bot der Service Provider seinen Kunden bisher einen neuen Dienst an, brauchte er auch gleich eine neue teure Kiste von einem Anbieter, die sich zugleich mit den anderen Kisten im Rechenzentrum vertragen musste. Hinzu kam laut Kirksey eine sehr langsame Entwicklung. Die Anbieter gingen zu einer Standardisierungsorganisation, entwickelten dort eine Spezifikation und implementierten diese. Häufig stellte sich dann heraus, dass die neue Kisten inkompatibel zu vorhandener Hardware war, also wurde neu spezifiziert, neu implementiert und so weiter.

Heather Kirksey leitet das OPNFV-Projekt.

Von dem Wechsel zu einer offenen Plattform, die in einigen Regionen bereits zum Einsatz kommt, erhoffen sich die Telcos einige Vorteile. Sie machen die Arbeit nicht doppelt und sie können neue Funktionen verhältnismäßig einfach und schnell in Software realisieren und umsetzen, was Geld und Zeit spart. Als schönes Beispiel, wie es bisher lief, nennt Kirksey IP-TV. Das sei recht aufwändig entworfen und eingeführt worden, bis Netflix der Technologie einen Strich durch die Rechnung machte.

Den Sinn der Konferenz, auf der sich einige hundert Entwickler aus der Telco-Industrie, aber auch bekannte Open-Source-Firmen und -Projekte wie Open Daylight, Onos, Canonical und Red Hat tummeln, sieht Kirksey im Zusammentreffen der Community rund um den neuen Bereich, der erst seit 21 Monaten existiert. Noch müssen die Open-Source-Community und die Telekommunikations-Industrie die gegenseitige Sprache lernen, die im Falle von letzteren nebenbei aus einem riesigen Haufen an Abkürzungen besteht.

Besucher informierten sich in diversen Vorträgen über aktuelle Entwicklungen.

Die in der Industrie über Jahre aufgebaute Technologie ist zudem komplex. Experten, mit denen wir auf der Konferenz geredet haben, betrachten 2016 daher durchaus als Jahr des Durchbruchs für NFV, sehen aber auch noch eine Menge Arbeit vor sich liegen. Nicht zuletzt hoffen die Anhänger der Technologie aber auch, dass sich die Technologie der OPNFV-Plattform künftig nicht nur auf Telekommunikationsunternehmen beschränkt.

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