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OOXML: Einsprüche bremsen Verabschiedung als ISO-Standard

Die ISO-Zertifizierung des Microsoft-eigenen Dokumentformats OOXML bleibt umstritten: Drei Länderausschüsse fordern formell die Aufhebung der Zertifizierung, ein viertes reicht eine Protestnote ein.

Die Vertreter Südafrikas, Brasiliens und Indiens legen Einspruch ein gegen die offizielle Standardisierung von OOXML, der dänische Ausschuss schrieb einen Protestbrief. Folgend den ISO-Regelungen kann der Standard mit der Nummer ISO/IEC 29500 damit vorerst nicht verabschiedet werden. Für Ärger sorgen nach wie vor die Vorgänge um die Abstimmung im Schnelldurchlauf, dem so genannten „Fast-Track-Verfahren“, nach dem das Microsoft-XML-Format die Standardisierung anstrebte.

Den Vorreiter der aktuellen Protestwelle machte am 23. Mai der zuständige Normierungsausschuß aus Südafrika, SABS. Wie es die Vorschriften der Standardisierungsbehörde verlangen, richtete der technische Ausschuß seinen Protest sowohl an die Internationalen Standards Organisation (ISO) wie auch an die technische Abteilung IEC (International Engineering Consortium). Als Grund für den Einspruch nennen die Südafrikaner vor allem den Verlauf des entscheidenden ISO-Treffens im Vorfeld, bei dem keine Einigkeit erzielt werden konnte. Um dennoch zu einem Ergebnis zu kommen, wurden die Abstimmungsregeln geändert. Der Leiter des südafrikanischen Ausschusses formuliert das in seinem Schreiben so: „Deshalb stellt Südafrika die Gültigkeit eines abschließenden Votums in Frage, von dem wir meinen, dass es auf unzureichenden Informationen basiert, die aus einem schlecht geleiteten BRM (Ballot Resolution Meeting, Anm. d. Red.) resultieren. Darüber hinaus bezweifeln wir die Gültigkeit eines Prozesses, der von Anfang bis zum Ende von allen Beteiligten verlangte, viel zu viel Informationen in viel zu kurzer Zeit zu analysieren.“ Auf der gleichen Basis folgte wenige Tage später der offizielle Einspruch aus Brasilien, gefolgt von Indien. Aus Dänemark folgt ein Protestbrief des OSL-Präsidenten Morten Kjærsgaard, gerichtet an den ISO-Vizepräsidenten Jacob Holmblad, der gleichzeitig in leitender Funktion beim nationalen Ausschuss in Dänemark sitzt.

Die Frist für offiziellen Einspruch war am Donnerstag abgelaufen, und am Freitag bestätigte ein IEC-Sprecher den Eingang, ein bislang einmaliger Vorgang in der Geschichte der Standardisierungsbehörde. Nun haben ISO und IEC einen Monat Zeit, um mit den Länderausschüssen doch noch Einigung zu erzielen und zu erreichen, dass diese ihren Einspruch zurückziehen. Gelingt dies nicht, wird die Angelegenheit an die jeweiligen Komitees zur Klärung übergeben, die wiederum drei Monate Zeit haben, um eine Empfehlung für die weitere Vorgehensweise zu geben.

Diese formellen Proteste der Länderorganisationen setzt die Standardisierungsorganisation weiter unter Druck und läßt den Zertifizierungsvorgang im Zwielicht. Aus zahlreichen Ländern wurde über versuchte und tatsächliche Einflußnahme von Lobbyisten berichtet, und es wurden auch Stimmen gegen den Rat der technischen Experten abgegeben, beispielsweise auch in Dänemark (Linux-Magazin Online berichtete). Die Europäische Kommission hat bereits eine Untersuchung der Vorgänge angekündigt. Microsoft hingegen kündigte vor kurzem an, in seinen Office-Produkten künftig den bereits verabschiedeten ISO-Standard Open Document Format (ODF) unterstützen zu wollen.

(Britta Wülfing)
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