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OOXML-Dokumentation im Netz - ISO wird nervös

Zum Ärger der Internationalen Standards Organisation (ISO) ist die Dokumentation zu Microsofts Dateiformat OOXML im Internet veröffentlicht worden. Unterdessen beobachten ISO-Mitarbeiter nervös das Verhalten von IBM bei Standardisierungsprozessen.

Die Aktivisten der Plattform Boycott Novell haben das mehr als 5500 Seiten starke Dokument als PDF, HTML, Microsoft-Spreadsheet und in zahlreichen anderen Formaten auf ihre Webseite gestellt. Obwohl OOXML nach zahlreichen Turbulenzen und Unregelmäßigkeiten als ISO-Standard zertifiziert wurde, hält die Normierungsbehörde die umfangreiche Dokumentation bis heute unter Verschluss. Standards-Aktivisten wie der Jurist Andy Updegrove oder der IBM-Mitarbeiter Rob Weir kritisierten dies, und im Verlauf der ISO-Abstimmung beklagte sogar der beauftragte Microsoft-Mitarbeiter Brian Jones die mangelnde Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Die Boycott-Novell-Aktivisten bezeichnen die Veröffentlichung der Dokumente als Reaktion auf den "systematischen Missbrauch und Niedergang der ISO". Der für die OOXML-Abstimmung verantwortliche ISO-Mitarbeiter Alex Brown bezeichnet die Veröffentlichung in seinem Blog hingegen als "schamlosen Akt von Urheberrechtsverletzung".

Er bezeichnet die Autoren als Tölpel, die sogar die Bandbreite öffentlich machten, die ihr "Verbrechen" verursacht. Brown schließt den Eintrag mit den Worten: "Ich kann direkt hören, wie sich die Genfer Anwälte die Lippen lecken." Roy Schestovitz, einer der Betreiber der Webseite, ist von möglichen juristischen Folgen nicht beeindruckt. Er fordert dazu auf, diese "60 Megabyte (...), die Microsoft Euch nicht sehen lassen will", herumzuschicken oder sich darüber lustig zu machen. Damit steht er nicht allein: Die zahlreichen Updates mit immer neuen Dateivarianten zur Veröffentlichung sind mit den Namen der Autoren versehen.

Auf ihrer Webseite weisen die Autoren auch auf die Erklärung von IBM hin, in der das Unternehmen seine weitere Zusammenarbeit mit der ISO an Konsequenzen knüpfte. ISO-Mitarbeiter Alex Brown bezeichnet die Ankündigung in einem weiteren Blogeintrag als Drohung und stellt sich die Frage, warum IBM-Mitarbeiter an dem jüngsten Arbeitstreffen im Ausschuss mit der Nummer SC34 in Korea nicht teilgenommen hätten: "Durch ihre völlige Abwesenheit fallen die IBM-Leute hier sicher auf." Der streitbare Rob Weir bezeichnet dies in seinem Blog als normal, da die Teilnahme auch in der Vergangenheit abhängig vom Konferenzort geschwankt habe. Stattdessen verweist er auf den zunehmenden Microsoft-Einfluss: "Um das Ganze mal in eine Perspektive zu setzen: Das US SC34-Schatten-Komitee hat rund 20 Mitglieder. Bevor Microsoft es gefüllt hat, hatten wir circa sieben."

Bei dem fraglichen Treffen in Korea hat das ISO-Komitee erklärt, künftig auch das freie Dokumentformat ODF pflegen zu wollen. Die Juristenplattform Groklaw, die auch die ISO-Abstimmung dokumentierte, sieht darin den Versuch einer feindlichen Übernahme. Rob Weir bezeichnet die Mitarbeit von IBM bei OASIS; der Arbeitsgemeinschaft hinter ODF, als wesentlich. Er schreibt: "Trotz Microsofts erfolgreichem Versuch, SC34 zu füllen, wie sie es mit Ausschüssen weltweit gemacht haben, bleibt die Beteiligung durch IBM bei null bis zwei Mitarbeitern. Es wäre für mich schwierig, die Kosten für eine größere Beteiligung zur rechtfertigen. Die echte Arbeit an ODF spielt sich bei OASIS ab. Da schicken wir unsere Leute hin."

Für die Standardisierungsbehörde mit Sitz in der Schweiz nimmt die Unruhe im Zuge der OOXML-Zertifizierung kein Ende: IBMs Erklärung zu Standards folgte nur wenige Tage nach der Ankündigung einiger Länderausschüsse, künftig eigene Standards zu schaffen. Der norwegische Standards-Ausschuss verlor mehr als die Hälfte seiner Mitglieder, und die Untersuchung durch die EU-Kommission zum Verhalten Microsofts bei der Zertifizierung ist noch nicht abgeschlossen.

(Britta Wülfing)
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Kommentare (1)
von
Consultant,
02.11.2008 13:01
ooxml meiden! da nicht implementierbar!
Als Ingenieur kann ich nicht guten Gewissens behaupten das OOXML ein Standard ist!
Es ist eine 6000 Seiten starke nicht implementierbare Katastrophe! Vielleicht wenn man 600 Leute bei T-Systems 1 Jahr für 10 Millionen EURO angagiert, könnte das klappen...
ODF hingegen ist kostenfrei, schnell implementiert und der Service von Mittelstandsunternehmen vor Ort kostet auch nicht die Welt.
Die Europäische Union sollte bis zur Klärung der Untersuchung Microsoft bei Vergabe von Aufträgen ganz ausschliessen!
Den Mitgliedsstaaten würde ich das Gleiche empfehlen!
Zur ISO: alles was unter der GPL-Lizenz bei Softwareprodukten angeboten wird, bereitet weit aus weniger Kopfzerbrechen! und kostet keine Lizenzgebühr schon beim Sichten der Dokumente..