OLPC-Chef und Community-Manager bei der Linux-Foundation gesucht
10.03.2008
Die Organisation One-Laptop-Per-Child (OLPC) sucht einen Nachfolger für den Gründer und Visionär Nicholas Negroponte, eine Umstrukturierung ist bereits eingeleitet. Einen weiteren Job als Community Manager vergibt die Interessensvertretung von Linux und Linus Torvalds, die gemeinnützige Linux-Foundation (LF).
In einem Interview hat der College-Professor Nicholas Negroponte die Personalsuche öffentlich gemacht. Er sucht einen Geschäftsführer für OLPC, will der Organisation aber als Aufsichtsratsvorsitzender erhalten bleiben. Der scheidende OLPC-Chef schildert das Wunschprofil seines Nachfolgers als eine Führungspersönlichkeit im Format von Kofi Annan, der "die Welt als Mission, nicht als Markt sieht". Dies allerdings wird auf einer OLPC-News-Seite kritisch gesehen: "Anstatt nach einem Experten in Grundschulbildung zu suchen, der einen starken, weltweiten Verkaufsplan für den XO-Laptop aufstellt, oder selbst einem Technologie-Fachmann (...), der OLPC neue Aufgaben und Partnerschaften bringen könnte, sucht Negroponte nach einer neuen Ausgabe von sich selbst."
Der neue CEO tritt seinen Job in schwierigen Zeiten an: Die Verkäufe des so genannten 100-Dollar-Laptop erreichen bisher nicht die prognostizierten Höhen und andere klein(preisig)e Modelle wie der Eee-PC von Asus oder Intels Classmate PC sorgen für Wettbewerb. Nach Streitigkeiten mit dem Professor verließ Intel den OLPC-Aufsichtsrat und beendete die Zusammenarbeit. Zudem hat sich die OLPC-Chefentwicklerin mit einem eigenen Unternehmen selbständig gemacht, und ein Unternehmen in Nigeria verklagt die Stiftung auf 20 Millionen US-Dollar Schadenersatz (Linux-Magazin Online berichtete). Mit widersprüchlichen Aussagen zu einer Kooperation mit Microsoft sorgte Negroponte weiter für Unruhe. Laut den Informationen von BusinessWeek will OLPC Teile der Entwicklung an Microsoft übergeben, die eine eigene Windows-Version für den XO liefern soll. Auch der Linux-Distributor Red Hat soll stärker in das Projekt eingebunden werden, während OLPC sich auf die Entwicklung von Prototypen und neuen Konzepten verlegen will. Die Umstrukturierung bei OLPC in vier Organisationseinheiten soll bereits in vollem Gang sein.
Der Top-Job, den die Linux-Foundation (LF) ausschreibt, ist nicht weniger anspruchsvoll: Per Stellenausschreibung im Internet wird ein "Weltklasse-Talent" als Community-Manager gesucht, der die gemeinnützige Stiftung vertritt. Neben der Leidenschaft für Linux sollte der neue Stelleninhaber sowohl technisches Verständnis wie auch einen betriebswirtschaftlichen Blick für Schlüsselthemen haben. Als Bindeglied zwischen LF und den Mitgliedern soll der neue Community Manager Treffen organisieren, Teams für Gremien bilden, die Manager der LF mit technischem Hintergrundwissen versorgen und die Arbeitsgruppen leiten und organisieren. Ein Unternehmenschef im klassischen Sinn hat offenbar wenig Chancen. Es heißt: "Wenn Sie daran gewöhnt sind, dass eine große Belegschaft die Einzelheiten regelt, ist dies wahrscheinlich nicht der richtige Job für Sie." Bewerber mit Kenntnissen in moderner Web-Technologie werden bevorzugt, und umfassendes Linux-Wissen sollte selbstverständlich sein: "Sie müssen kein Kernel-Programmierer sein, aber Sie sollten wissen, wer diese im einzelnen sind." Bewerbungen um den Job ganz nah bei Linus Torvalds nimmt die Stiftung ab sofort per E-Mail entgegen.
(Britta Wülfing)
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