Open Source im professionellen Einsatz

ODF mit Erfolgen in Deutschland, Großbritannien und Malaysia

08.04.2008

Mit der neuesten Version der IT-Richtlinie "SAGA" der Bundesregierung avanciert der freie Dokumentenstandard Open Document Format (ODF) zum empfohlenen Standard im deutschen E-Government. Auch in Großbritannien und Malaysia meldet die ODF-Alliance Erfolge.

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Die Abkürzung SAGA steht für Standards und Architekturen für E-Government-Anwendungen. Unter diesem Titel beschreibt die deutsche Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) seit fünf Jahren Technologien und Methoden für den Einsatz von Informationstechnologie und Behörden und gibt Empfehlungen für den reibungslosen Datenfluss. In der neuesten Version 4.0 steigt ODF zum "empfohlenen" Format auf.

In Version 3.0 war das freie Dokumentformat noch unter der Kategorie "unter Beobachtung" gelistet, jetzt wird ODF den Bundesbehörden zum Einsatz empfohlen. Die dritte und höchste Kategorie "obligatorisch" ist aktuell noch unbesetzt. Nachgerückt ist das Microsoft-Format OOXML auf der Position "unter Beobachtung", nachdem dies vor kurzem gleichfalls zum ISO-Standard erhoben wurde. Trotz der ISO-Zertifizierung dürfte in Behörden aktuell das freie Dokumentformat die Nase vorn haben. In dem Dokument heißt es: "Wenn es neben empfohlenen Standards keine konkurrierenden obligatorischen Standards gibt, sollte von den empfohlenen Standards nur in begründeten Ausnahmen abgewichen werden." Die Frage nach dem Sinn von zwei Dokumentstandards kommentiert SAGA 4.0: "Konkurrierende Standards können nebeneinander empfohlen sein, wenn sich die Anwendungsschwerpunkte deutlich unterscheiden. In solchen Fällen ist der für die jeweilige Anwendung am besten geeignete Standard anzuwenden." Für die Langzeitarchivierung empfiehlt SAGA das Format PDF/A-1. Außerdem neu sind eigene Abschnitte zu den Themen IP-Telefonie und Registrys; auch zu dem Trendthema Service-orientierter Architekturen (SOA) gibt es einen Abschnitt. Weiterhin wird die IT-Infrastructure Library (ITIL) als Leitlinie für Betrieb und Pflege und E-Government-Anwendungen eingeführt.

Die ODF-Alliance, die Organisation hinter dem freien Standard, berichtet in ihrem aktuellen Newsletter über weitere Erfolge: In Großbritannien empfiehlt die leitende Behörde der britischen Regierung für Informations- und Kommunikationstechnologie im Bildungswesen, die BECTA, den Einsatz von ODF im Bildungswesen. In einem Schreiben an das britische Standards-Komitee reagiert die Behörde auf das ISO-Urteil zu OOXML. Die Becta äußert hier die Überzeugung, dass "den Interessen der nicht-technischen Anwender (inklusive der meisten Lehrer und Eltern) mit einem einzigen Standard am besten gedient wäre"; das bereits existierende ODF wird als ausreichend bezeichnet. Anwendern von Office 2007 wird empfohlen, nicht in OOXML abzuspeichern, sondern vorerst weiterhin die Format .doc, .xls und .ppt zu verwenden.

In Malaysia gehen die Regierungsaktionen über Empfehlungen hinaus: Die Behördenorganisation MAMPU (Malaysian Administrative Modernisation and Management Planning Unit), mit vergleichbaren Aufgaben wie die deutsche KBSt, erstellt seit dem 1. April alle neu erstellten Behördendokumente im ODF-Format. Gleichzeitig will die Behörde ihre Büroanwendungen auf die freie Software OpenOffice.org migrieren; bis Ende 2008 soll Microsoft Office von den MAMPU-Rechnern verschwunden sein.

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