Ende Mai will Novell seine längst überfälligen Geschäftsberichte der amerikanische Börsenaufsicht übergeben und dabei auch Details zum Pakt mit dem Software-Riesen Microsoft nennen. Dieser Schritt ist nach amerikanischem Recht unausweichlich, da im Bericht alle finanzrelevanten Informationen enthalten sein müssen.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen nach Unstimmigkeiten in anderen amerikanischen börsennotierten Firmen angekündigt, sich freiwillig einer Untersuchung durch unabhängige Gutachter zu unterziehen, um mögliche Unregelmäßigkeiten bei den eigenen Aktienoptionen aufzudecken. Aufgrund dessen stand Novell auch eine Zeit lang auf einer Liste von Unternehmen, die potenziell durch eine feindlichen Übernahme gefährdet sind.

Die Informationen zum Microsoft-Novell-Deal werden mit Neugier erwartet, denn der Vertrag sorgte für erhebliche Unruhe im Linux- und Open-Source-Lager. Auch der Entwurf der kommenden General Public Licence in Version 3 wurde durch den Pakt verzögert. Nicht zuletzt steht Novell in der Kritik, mit einem der größten Feinde der Open-Source-Welt zusammen zu arbeiten: Erst kürzlich behauptete die Firma Microsoft, freie Software verletze 235 ihrer Patente. Ein Beweis der vielen bezweifelten Aussagen steht bisher aus.

Auch wenn Novell sich und seine Kunden mit dem Abkommen vor Patentklagen der Redmonder schützen will, möchte sich das Unternehmen ab sofort auch für eine Reform des Systems zur Vergabe von Softwarepatenten einsetzen: Novell wird dabei mit der Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) zusammenarbeiten. Es sei offensichtlich, dass diese Patente bei der Entwicklung von Innovationen nicht hilfreich seien, sagte Novells Chief Technology Officer Jeff Jaffe in einer Mitteilung des Softwareherstellers. Unter anderem wolle man im Rahmen der Unterstützung auch finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.