Novell veröffentlicht Quartalsbericht und Details zur Microsoft-Vereinbarung
Novell hat am Freitag seine lang erwarteten Abschlussberichte für mehrere Quartale 2006, für das erste Quartal 2007 sowie den Jahresabschlussbericht 2006 vorgelegt. Am Mittwochnachmittag soll auch der Bericht für das zweite Quartal 2007 folgen.
Mit diesen längst fälligen Finanzunterlagen liefert Novell weit reichende Informationen, die für das Unternehmen in mehrerer Hinsicht befreiende Wirkung haben können. Nachdem die Firma in Zusammenhang mit einem Skandal um nicht genehmigte Aktienoptionen für Führungspersonal genannt wurde, unterzog sich Novell freiwillig einer Untersuchung. Dies wiederum war eine Ursache für die Verzögerung, die das Unternehmen gleichzeitig angreifbar machte. Wegen amerikanischer Rechtsvorschriften müssen vollständige und umfassende Unterlagen zu den Finanzzahlen vorlegen. Daher veröffentlicht Novell neben den Quartals- und Jahresabschlussberichten weitere sehr ausführliche Unterlagen. Auf einer Webseite mit Informationen für Investoren finden sich die Quartals- und Jahresberichte.
Daneben offenbart Novell, wie bereits angekündigt, weitere Einzelheiten über die Vereinbarung mit Microsoft. Insgesamt drei Dokumente vom November 2006 finden sich in der Pflichtmitteilung an die amerikanische Finanzbehörde: Die Patentvereinbarung, die Vereinbarung zur technischen Kooperation und weitere geschäftliche Übereinkünfte. Teile der Dokumente wurden durch Sternchen unkenntlich gemacht.
Dabei ist insbesondere die Patentvereinbarung interessant, da sie in den letzten Monaten Stoff für zahlreiche Kontroversen lieferte. Neben der genauen Formulierung, mit der die Unternehmen sich wechselseitig versichern, ihre jeweiligen Kunden nicht wegen Patentverletzungen zu verfolgen, finden sich auch genau benannte Ausnahmen: Wine, Star Office, Open Office und Open-Xchange werden vom Patenabkommen explizit ausgeschlossen. Diese Anwendungen, aber auch so genannte Klonprodukte ("Clone Products"), die ähnliche Oberflächen wie eine der beteiligten Parteien anbieten, sollen von der Vereinbarung nicht betroffen sein.
Vor kurzem erst ließ die Firma Microsoft die Gerüchteküche wieder wieder brodeln, als sie behauptete, dass Freie Software 235 ihrer Unternehmenspatente verletze. Zu diesem Thema findet sich eine Passage in der Vereinbarung, die sich "Microsofts Patenversprechen für Hobby-Entwickler" nennt.
Unter die Definition "Hobbyist Developer" fallen Entwickler, die Software schreiben, ohne die Absicht, damit Geld zu verdienen. Als Beispiel werden an dieser Stelle Open-Source-Entwickler genannt. Microsoft erklärt, Hobby-Entwickler nicht rechtlich belangen zu wollen, die im Dokument benannte Microsoft-Patente nutzen. Ebenfalls ausdrücklich verschont werden OpenSuse-Entwickler, vor allem, wenn ihre Entwicklung in die Unternehmensvariante Suse Linux aufgenommen wird. In juristische Formeln verpackt behält sich Microsoft allerdings vor, dieses Versprechen zurückzunehmen - zum Beispiel für den Fall, dass die Entwickler selbst Patentansprüche gegen Microsoft geltend machen sollten.
In den Finanzberichten lobt Novell-CEO Ron Hovsepian den Microsoft-Deal und erhofft sich daraus weitere Umsätze: "Durch die Linux-Partnerschaft mit Microsoft wird das Linux-Geschäft nochmal deutlich Schwung gewinnen", so lässt sich der Novell-Chef im Quartalsbericht zitieren. Der Gesamtumsatz im Jahr 2006 ging allerdings auf 246 Millionen US-Dollar zurück. Als Erfolg vermeldet das Unternehmen den Umsatz mit Linux-Plattformen. Hier gab es 26 Prozent mehr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr, im vierten Quartal waren das 13 Millionen US-Dollar. Da das Finanzjahr für Novell am 31. Oktober 2006 endete, sind Zahlungen aus der Microsoft-Vereinbarung vom November 2006 noch nicht enthalten. In einer Vorab-Veröffentlichung zu den Umsatzzahlen des ersten Quartals 2007 nennt Novell jedoch bereits ein Umsatzwachstum von 46 Prozent für seine Linux-Produkte.





