Open Source im professionellen Einsatz

Nextcloud stellt Zukunftspläne und Nextcloud Box vor

16.09.2016

An der TU Berlin startete heute morgen die Nextcloud-Konferenz. Hier stellen die Entwickler hinter dem Owncloud-Fork nicht nur ihre Zukunftspläne vor, sondern präsentieren auch in Kooperation mit Canonical die Nextcloud Box.

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Zum Auftakt klärte Geschäftsführer Frank Karlitschek noch einmal die recht häufig gestellte Frage, worin eigentlich der Unterschied zwischen Owncloud und dem Fork Nextcloud bestehe. Für Unternehmen sicher nicht unwichtig: Die Trennung zwischen der Enterprise- und Community-Ausgabe fällt bei Nextcloud weg. Eine Version soll künftig sämtliche Bedürfnisse der Kunden abdecken und offen entwickelt werden. Plugins, die zum Kern von Nextcloud gehören, pflegen die angestellten Entwickler mit, Plugins, die nicht dazu gehören, müssen externe Entwickler selbst auf dem aktuellen Stand halten.

Das Unternehmen hinter Nextcloud sei eine "langweilige", aber nachhaltig konzipierte deutsche GmbH, ohne externe Investoren. Ginge es nach Karlitschek, soll sie das Produkt die nächsten 20 bis 30 Jahre pflegen. Geld verdienen wollen die Macher über kommerziellen Support, das Projekt unterstützt zahlende Nextcloud-Kunden bis zu zehn Jahre lang. Das beziehe sich allerdings nur auf Nextcloud, für die anderen Komponenten der Plattform, das Betriebssystem, PHP oder Datenbanken, benötigen die Unternehmen externen Support.

Nicht nur das Unternehmen selbst entwickele an Nextcloud, erklärt Karlitschek, auch externe Freiwillige, Partner und Kunden tragen zur Codebasis bei. Wer sich bestimmte Features wünsche, die nicht auf der Roadmap stehen, könne entweder die Firma beauftragen oder an Abstimmungen teilnehmen, an denen man gerade arbeite. Kunde von Nextcloud hätten allerdings ein größeres Stimmgewicht.

Zukunftspläne

Die Marschroute für Nextcloud wirkt ambitioniert, aber wie Community-Manager Poortvliet erklärt, habe man auch eine Reihe von Technikern an Bord. Zudem scheinen einige der Zukunftspläne bereits seit einiger Zeit in Arbeit. So will man beispielsweise einen auf Horde basierten E-Mail-Client integrieren, an dem man bereits im Owncloud-Projekt gearbeitet habe. Zum Chatten soll es gleich zwei Lösungen gehen: Einen XMPP-Client und einen in die Videolösung Spreed integrierten. Spreed soll ebenfalls Teil von Nextcloud 11 werden, es bietet auf WebRTC-basierende Videokonferenzen an. Version 11 will dabei die Kontaktaufnahme per Video vereinfachen.

Erwähnenswert ist auch die Server-Integration von Collabora Online, die es den Nextcloud-Nutzern erlaubt, zusammen auf dem Server an Dokumenten zu arbeiten. Weiterhin planen die Entwickler eine App-spezifische Rechtevergabe und integrieren einen neuen App Store. Insgesamt soll Nextcloud zuverlässiger arbeiten und besser skalieren. Version 11 soll Ende 2016 erscheinen.

Nextcloud Box

In Kooperation mit Canonical und WD-Labs haben die Macher von Nextcloud zudem einen Minirechner mit ihrer freien Cloud-Lösung präsentiert. Der soll interessierten Nutzer das Hosting im eigenen Heim möglichst einfach machen. Kernstück der Nextcloud Box ist ein Raspberry Pi 2, den die Nutzer allerdings zusätzlich zur Box besorgen müssen. Künftig soll die Nextcloud Box auch den Raspberry Pi 3 oder das Odroid C2 unterstützen.

Nextcloud-Geschäftsführer Frank Karlitschek stellt auf der Nextcloud-Konferenz die Pläne für die Software vor.

Der kleine Rechner sitzt in einem Gehäuse mit Nextcloud-Branding und kann auf eine Festplatte als Datenspeicher zugreifen. Laut der Ankündigung soll die Box bei einem Terabyte verfügbarem Speicher 70 Euro kosten. Die Anbieter liefern die Geräte mit einer vorkonfigurierten Instanz von Nextcloud aus, die sich mit Apps wie Spreed.me, Open Hab und Collabora Online erweitern lässt.

WD (Western Digital) stellt die Festplatte bereit, die als so genanntes Pi Drive Kit auch frei erhältlich ist. Für das Betriebssystem kommt eine Sandisk-SD-Karte zum Einsatz. Der Aufbau soll es auch ermöglichen, die Hardware selbst an eigene Bedürfnisse anzupassen, etwa, um aus Redundanzgründen eine zusätzliche Festplatte einzubauen.

Die Nextcloud Box läuft mit Ubuntu Core, einer Variante von Canonicals Linux-Distribution, die sich speziell für den Einsatz im IoT-Bereich eignen soll. Ubuntu Core nutzt das vergleichsweise junge Paketformat Snappy, das auch Nextcloud offiziell unterstützt. Snappy ist dabei so konfiguriert, dass es Updates automatisch einspielt, wodurch der Administrationsaufwand für Nutzer möglichst gering ausfallen soll.

Die Nextcloud-Box ist eine Zusammenarbeit zwischen Nextcloud, Western Digital und Canonical.

Die Konferenz, für die sich etwa 100 Teilnehmer registriert haben, soll noch bis zum 22. September 2016 laufen. Am Samstag und Sonntag halten Jane Silber (CEO, Canonical) respektive Karen Sandler (Geschäftsführerin der Software Freedom Conservancy) ihre Keynotes. Daneben gibt es Workshop und Hacking Sessions. Das komplette Programm findet sich hier.

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