Open Source im professionellen Einsatz

Münchens OB relativiert Limux-Kritik

17.10.2014

Der Münchner Oberbürgermeister Reiter gibt an, es gehe in seiner Kritik an der Münchner IT nicht in erster Linie um das Betriebssystem.

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Er habe bereits betont, "dass die Frage des Betriebssystems nicht inmitten meiner Überlegungen steht", schreibt Reiter in der Antwort auf eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Rosa Liste. Im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung sei es eben zu Beschwerden gekommen, bei denen es aber nicht "in erster Linie um das Betriebssystem, sondern um viele andere Facetten der IT" gegeangen sei. Es gebe auch keine Daten dazu, welche der Beschwerden mit Open Source in Verbindung stehen.

Reiter merkt auch an, dass die Prüfung der IT nicht im Zusammenhang mit den zu spät gelieferten Diensttelefonen stehe. Laut Tech Republic lag dieses Problem wohl an einer Firewall-Konfiguration für den Mailserver, den es aber bereits vor der Migration gab. Dennoch möchte er "daran festhalten, die Struktur unserer IT untersuchen zu lassen. Ob die Untersuchung zu einem Wechsel des Betriebssystems führt, wird sich zeigen."

Noch habe sich das externe Expertenteam nicht an die Arbeit gemacht, weshalb Reiter auch die Frage nach den Team-Mitgliedern und deren Finanzierung nicht beantwortet. Die zukünftige Arbeitsgruppe ist in der "Hauptabteilung III im Direktorium" angesiedelt und soll aus Angestellten der Stadt und der Münchner IT-Dienstleister bestehen. Sie soll die städtische IT auf ihre Leistungsfähigkeit und Effizienz hin untersuchen. Zugleich räumt er ein, dass ein Kostenvergleich von 2012 zu der Feststellung gekommen sei, dass München dank der Migration auf Linux 11 Millionen Euro an Lizenzkosten spare.

Würde man auf Windows zurückkehren, gingen laut einer Schätzung des IT-Dienstleisters it@M getätigte IT-Investitionen in Höhe von 14 Millionen Euro verloren, die man in Schulungen, Software-Anpassungen und die Einrichtung des Konfigurationsmanagements und der Softwareverteilung gesteckt hat. Würde man auf Windows 7 wechseln, kämen allein für die Hardware vermutlich Kosten in Höhe von 3,5 Millionen zusammen, der Wechsel auf Windows 8 würde noch wesentlich teurer werden. Auch die Vorhabensplanung müsste die Stadt bei einem Wechsel neu überdenken.

In puncto Sicherheit hätten beide Systeme Vor- und Nachteile. Insgesamt halten aber sowohl die 3. Bürgermeisterin Strobl als auch die IT-Dienstleister für Stadt München die Migration zu Limux als richtig. Nachteilig für das Projekt wirke sich aus, dass andere Behörden entgegen den Ankündigungen vor 10 Jahren nicht so konsequent auf Open-Source-Software umgestellt hätten und auch einzelne Anbieter Open Source "nicht im erwarteten Maß" unterstützen. Allerdings müssten die damit verbundenen Probleme nicht zwangsläufig einen Wechsel zurück zu Microsoft nach sich ziehen.

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