Microsofts Schmusekurs mit Open Source
28.11.2008
Ehemals von Bill Gates und Steve Ballmer als Krebsgeschwür und Teufelswerk verschrieen, entdeckt Microsoft mittlerweile die Vorzüge quelloffener Anwendungen für sich, und fördert sogar aktiv deren Entwicklung.
Als Schwerpunkt nennt Andreas Urban, Leiter der Open-Source-Strategie, die Skriptsprache PHP, die offenbar in künftigen Microsoft-Produkten vermehrt zum Einsatz kommen wird. So nahm der Riese aus Redmond den PHP-Core-Entwickler Pierre Joye unter seine Fittiche, der die Schnittstelle zwischen Community und Microsoft bildet.
Allem Anschein nach bemühen sich die Redmonder aber auch um Transparenz von Produkten aus eigenem Hause. Nach eigenem Bekunden bietet Microsoft derzeit über 50.000 Whitepapers kostenlos zum Download an, welche die Schnittstellen verschiedener Produkte, etwa dem Exchange Server oder MS SQL, erklären. Lediglich bei Verwendung durch Patente geschützte Schnittstellen in kommerziellen Produkten sollen Lizenzzahlungen fällig werden.
Das Offenlegen der Anknüpfpunkte erfolgte jedoch nicht, wie von Microsoft gerne propagiert, allein zum Zweck, die Interoperabilität zwischen den Welten zu fördern, sondern erfüllt die Auflagen des EU-Gerichts, die Microsoft in der Vergangenheit zu Bußgeldern von insgesamt über 1,6 Milliarden Euro wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens verdonnerte. Zuletzt waren es 899 Millionen Euro, weil Microsoft die Beschreibungen zu teuer verkaufte.

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Andreas Urban, Leiter der Open-Source-Strategie und Sandra Schäfer, Leiterin der Interoperabilitätsstrategie bei Microsoft
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Als einen Kernbestandteil, der Microsofts neue Transparenz demonstrieren solle, führte Sandra Schäfer, Leiterin der Interoperabilitätsstrategie, den offenen Dokumentenstandard OOXML an. Eine Antwort auf die Fragen, warum eine Spezifikation über 6500 Seiten stark sein müsse, der darüber hinaus wichtige Fakten fehlen, blieb sie allerdings schuldig. Als Grund für das Schaffen eines eigenen Standards nannte sie, dass nicht alle Funktionen der Office-Suite in ODF abgebildet werden könnten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, fordert doch sowohl die EU als auch diverse staatliche Behörden den Einsatz lizenzierter Dokumentenformate, dem Microsoft bis dahin nicht entsprechen konnte und damit Gefahr lief, beträchtliche Marktanteile an Open Office zu verliert. Darüber hinaus kündigte Sandra Schäfer an, dass das Service Pack 2 von MS Office 2007 eine native Implementierung von ODF 1.1 enthalten soll, dass es Anwendern ermöglicht, Dokumente dieses Formats sowohl zu öffnen als auch zu speichern.
(Thomas Leichtenstern)
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