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Microsofts OOXML sorgt für chaotisches ISO-Treffen

Das Treffen der ISO-Mitgliedsorganisationen zum Standardisierungsprozess von Microsofts Dokumentenformat OOXML letzte Woche verlief nach Teilnehmerberichten chaotisch und endete mit einer erneuten Niederlage für OOXML. Microsoft interpretiert dies jedoch anders.

Auf einem Treffen in der letzten Februarwoche sollten die ISO-Mitgliedsorganisationen erneut über die zahlreichen Änderungsvorschläge zu OOXML beraten, die nach der ersten Abstimmungsniederlage eingereicht wurden. Tatsächlich waren es zu viele Vorschläge, um sie während des Treffens zu besprechen. Um dennoch zu einem Ergebnis zu kommen, änderte der Versammlungsleiter Alex Brown kurzfristig die Abstimmungsregeln: Von den 32 teilnehmenden Ländern waren ursprünglich nur 25 zur Stimmabgabe berechtigt, nun sollten alle Teilnehmer ein Votum abgeben. Alle Änderungsvorschläge, die bis dahin nicht besprochen waren, sollten per Stimmzettel ohne weitere Diskussion entschieden werden. Nach Aussagen des Chefs der US-amerikanischen Delegation Farance waren dies rund 80 Prozent der Vorschläge.

Die Eilabstimmung traf auf offensichtlichen Widerwillen: Von den 25 Mitgliedern lehnten vier die Vorschläge ab, vier stimmten zu, zwei weigerten sich, eine Stimme abzugeben und fünfzehn Delegationen enthielten sich. Auch die Hinzunahme der Nicht-P-Länder änderte nichts am Ergebnis der Wahl, obwohl es zwei zusätzliche "Zustimmungen" gebracht hatte, der Rest verweigerte und enthielt sich der Stimme.

Gezählt wurden allerdings nur die "Approve" und "Disapprove"-Stimmen, so dass Microsoft die Ergebnisse völlig anders interpretiert. Tatächlich beschreibt Microsofts Mitarbeiter Brian Jones den Verlauf der Diskussion völlig anders in seinem Blog und macht aus vier von 25 Stimmen eine "überwältigende Mehrheit". Er beschreibt einen reibungslosen Verlauf: "Der Prozess hat wirklich funktioniert (es war sehr cool)." Liest man seine Interpretation der Ereignisse, war dies eine Sternstunde der ISO: "Das Treffen wurde mit Klatschen und Jubeln beendet, die Leute waren wirklich glücklich über die verbesserten Vorschläge für die Spezifikation und es war für mich persönlich ein sehr positives Erlebnis."

Der Leiter der US-Delegation jedoch beschreibt das Treffen als völlig unzureichend und befürchtet zahlreiche Folgefehler und Konsequenzen. Über die Eile des Abstimmungsprozesses zeigt er sich gegenüber dem CIO-Magazin verärgert: "Ich sehe keinen besonderen Grund, warum wir in der Zeit so begrenzt waren. Ich weiß nicht wie du mit 6.000 Seiten mit 3.500 Kommentaren in einer Woche abarbeiten kannst".

Nun haben die Delegierten noch einmal dreißig Tage Zeit, ihr Votum zu überdenken. Nach Meinung von Andy Updegrove und weiteren Standards-Aktivisten wie dem IBM-Mitarbeiter Rob Weir sollte das offizielle Endergebnis aber in der Ablehnung von OOXML als Standard resultieren. Die FAQ-Seite der ISO-Organisation geben für diesen Fall unter Paragraph 4.5 eine klare Empfehlung: "Was ist, wenn es während des Treffens nicht ausreichend Zeit gibt, die Sorgen der NBs (National Bodies) zu adressieren? Wenn die NBs das Ergebnis des BRM inadäquat finden, dann können Sie auf eine Ablehnung der DIS zurückgreifen."

(Britta Wülfing)
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