Open Source im professionellen Einsatz

Malware sorgt für Notstand in Krankenhäusern

16.02.2016

Keine multiresistenten Keime, sondern Malware bereitet diversen Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen derzeit Probleme. Doch auch in Hollywood kämpft zumindest ein Krankenhaus mit einem unerwünschten Computerprogramm, das Geld fordert und zwar nicht auf der Leinwand.

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Neuss, Ansberg, Hollywood: Krankenhäuser kämpfen derzeit mit verschiedenen Formen von Malware. Im Lukaskrankenhaus in Neuss und im Klinikum Arnsberg haben Mitarbeiter auf den falschen E-Mail-Anhang geklickt und sich Malware ins Krankenhaus-Netzwerk geholt. Auch andere Kliniken in NRW, der WDR nennt Essen, Köln, Kleve und Mönchengladbach, sollen mit Malware kämpfen.

Vermutlich handelt es sich um Ransomware, die wichtige Dateien verschlüsselt und anschließend Geld fordert, um diese wieder zu entschlüsseln. Zwar seien die wichtigen medizinischen Geräte und Systeme nicht betroffen, doch die Ärzte mussten Befunde per Telefon und Fax übermitteln, die Labore per Hand Notizen machen, was die Arbeit deutlich erschwere und verlangsame. Arnsberg konnte demnach nur Notfälle annehmen, in Neuss habe man Patienten laut RP-Online in andere Kliniken verlegt und Termine für Eingriffe verschoben.

In den Kliniken von Neuss und Arnsberg wurden die Systeme heruntergefahren, damit das Virus keine wichtigen Patientendaten befällt, in Neuss seien hunderte Rechner betroffen. Von einer gezielten Attacke gehen die Krankenhäuser dennoch nicht aus. In NRW hatten mehrere Krankenhäuser, aber auch Unternehmen Probleme mit der Malware.

Auch in den USA kämpft mindestens ein Krankenhaus mit Ransomware: In Hollywood ermitteln FBI und die Polizei von Los Angeles, nachdem Ransomware das Hollywood Presbyterian Medical Center lahmgelegt hat. Die Malware verschlüsselte die Daten und forderte für das Entschlüsseln eine Summe von 3,6 Millionen US-Dollar in Bitcoin. Der CEO des dortigen Krankenhauses geht ebenfalls nicht von einem gezielten Angriff aus, auch seine Klinik verteilte ihre Patienten auf andere Hospitale und stieg auf Faxgeräte, Telefone und Papier um.

Von Malware betroffene Krankenhäuser sind dabei kein neues Phänomen: So legte ein Wurm 2008 mehrere Londoner Krankenhäuser lahm und berichtete Technology Review bereits 2012 von Malware-Befällen medizinischer Systeme in amerikanischen Krankenhäusern.

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