Open Source im professionellen Einsatz

Linuxtag: Cloud Computing mit Open Stack

25.05.2012

In einem Workshop auf dem Linuxtag 2012 hat Martin Loschwitz Cloud Computing mit Open Stack (2012.1 "Essex") demonstriert.

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In einem der abgetrennten Seminarräume vermittelte er den Besuchern zunächst einen Überblick über die Komponenten des Stacks. Darunter befinden sich das Dashboard Horizon, die Message-Queue RabbitMQ sowie der Cloud Controller Nova, der das Gehirn des Systems darstellt, die Netzwerkadressen verteilt und bei Bedarf virtuelle Maschinen startet. Der Image-Service Glance hält fertige Systemabbilder bereit, und zur Benutzerverwaltung dient die jüngste Stack-Komponente Glance.

Mit Keystone begann der Referent dann die praktische Vorführung und zeigte Installation und Konfiguration auf seinem Test-Notebook. Die Daten der Benutzerverwaltung nahm eine MySQL-Datenbank auf, wobei ein Howto und vorgefertigte Skripte zum Einsatz kamen, die Loschwitz auf der Website seiner Firma Hastexo zum Download anbietet.

Die nächste vorgestellte Komponente Glance kopiert per NBD das gewünschte Betriebssystem-Image auf den Virtualisierungsknoten. Als Archiv für die Abbilddateien können unterschiedliche Backends dienen, etwa ein SAN oder Amazons Cloud-Speicher S3. Bei virtuellen Linux-Images lassen sich vorgefertigte Root-Dateisysteme zusammen mit einem separaten Kernel nach Wunsch einsetzen. Für den Einstieg eignet sich laut Martin Loschwitz allerdings am besten eines der fertigen Images der Ubuntu Enterprise Cloud.

Den wichtigsten Punkt stellt die Compute-Komponente Nova dar. Sie ermöglicht die Kommunikation zwischen den Hosts der virtuellen Maschinen und der Kontrollinstanz. Das geschieht mit Hilfe eines Bündels von Diensten, die im Nova-API definiert sind. Bei der Steuerung der virtuellen Maschinen nutzt Nova die Virtualisierungsbibliothek Libvirt. Das Anmelden auf den virtuellen Systemen ermöglicht Nova mittels SSH-Keys. Die nächste Open-Stack-Release wird Nova allerdings durch die neue und ausführlich dokumentierte Komponente Quantum ersetzen.

Das Dashboard (Horizon) erlaubt Anwendern ohne tiefere Open-Stack-Kenntnisse, neue virtuelle Maschinen per Weboberfläche einzurichten. Sie können dort auch Snapshots erstellen, SSH-Schlüssel verwalten oder einen webbasierten VNC-Client nutzen.

Loschwitz empfiehlt Einsteigern, Open Stack unter Ubuntu 12.04 einzurichten, da auf dieser Distribution alle benötigten Komponenten als Pakete zur Verfügung stehen.

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