"Über kurz oder lang wird es nur mehr 'das Betriebsystem' geben, niemand wird mehr etwas anderes als Linux verwenden. Davon bin ich überzeugt!" Derart euphorisch-emotional äußert sich kein geringer als Dr. Carsten Emde auf der offiziellen Pressekonferenz des Linuxtages.

OSADL: Es gibt keine Alternativen zu Linux

Er ist Geschäftsführer des Open Source Automation Development Lab (OSADL) und somit einer der führenden Embedded-Spezialisten Deutschlands. Er kenne die Situation in den Unternehmen sehr genau, und vor allem die langfristige Planungssicherheit, die die GPL (sein Dank geht hier auch ausdrücklich an Richard Stallman und das GNU-Projekt) biete, mache das freie System attraktiv. "Wir reden in Fabriken und Produkten von 25 Jahren Laufzeit und mehr. Warum also Linux? Weil es nicht abgekündigt werden kann!"

Dr. Carsten Emde (links) und Wolfgang Wagner (Messe Berlin).

Dr. Carsten Emde (links) und Wolfgang Wagner (Messe Berlin).

Bei der alljährlichen Linuxtag-Pressekonferenz am Morgen des ersten Konferenztages in Berlin bekräftigt er weiter: "Natürlich wird es immer alte Systeme geben, aber sie brauchen sich doch nur mal die Zahlen anschauen: Linux-basierte Geräte dominieren jetzt schon bei den Verkäufen."

Die Revolution ist im vollen Gange

Die Revolution habe bereits statt gefunden, ob auf Servern, auf Supercomputern, überall wo es auf Verlässlichkeit ankommt, aber am stärksten im Embedded-Bereich.

Pressekonferenz beim Linuxtag: Von links nach rechts: Nils Magnus, Petra Kuhfuss, René Wienholtz, Carsten Emde und Wolfgang Wagner.

Pressekonferenz beim Linuxtag: Von links nach rechts: Nils Magnus, Petra Kuhfuss, René Wienholtz, Carsten Emde und Wolfgang Wagner.

In jedem Haushalt kämen tagtäglich zwischen drei und zehn Linux-Systeme zum Einsatz, jeder Mensch benutze am Tag geschätzte tausend davon. "Allein im Auto arbeiten Unmengen davon", weiß Emde. Nicht zuletzt deshalb gebe es auf dem Linuxtag auch einen eigenen Track rund um Embedded Linux und Automatensteuerung, erklärt Linuxtag-Mastermind Nils Magnus, der aber auch auf den UEFI-Track am Freitag und die zahlreichen anderen Vorträge verweist.

Nils Magnus vom Linuxtag e.V.

Nils Magnus vom Linuxtag e.V.

Dem Linuxtag e.V. und der Messe Berlin fällt es leicht, positive Beispiele zu finden, in denen Linux und Open-Source-Software die führende Rolle spielt. Ob Steuerung von Produktionsanlagen, Cloud, Big Data, aber auch schillernde Projekte wie die Internationale Raumstation, die Moderator Wolfgang Wagner herausstellt.

Das Internet? Nicht ohne Linux

Nicht neu seien die Vorteile der freien Software für die Urgesteine des Web, bestätigte auch René Wienholtz, Technologie-Vorstand des Providers Strato. Wie Twitter, Facebook, Amazon, Google und Co. wäre der große Erfolg solcher Unternehmen ohne Linux und Open-Source-Software schlicht nicht machbar.

Petra Kuhfuss von der Messe Berlin und René Wienholtz von Strato.

Petra Kuhfuss von der Messe Berlin und René Wienholtz von Strato.

Dem könne sich weder die Industrie noch Behörden oder die Politik entziehen, ist auch die Messe Berlin überzeugt und hat "auf vielfachen Wunsch von Unternehmen der Businesswelt mehr Platz eingeräumt" (Petra Kuhfuss): Auf dem Open IT Summit, der parallel zum Linuxtag stattfindet, trifft sich die Linux-Business-Welt, in Vorträgen, aber auch mit Wettbewerben und zahlreichen Vorführungen.

Berlin? "Ein einziges Startup"

"Berlin ist ein einziges Startup", sagt Kuhfuss, und das bestätigt auch Wienholtz: "Ick wohn hier um die Ecke, wir sind ein Kind der OSS-Economy" und als solches wolle auch Strato den Linuxtag und den Open-IT Summit nutzen, um die dringend gesuchten Fachkräfte zu finden, aber auch um im Dialog mit anderen High-End-Firmen neue Technologien zu erörtern und anzupacken.

Der Linuxtag läuft noch bis Samstag in der Berliner Messe. Auf der Webseite findet sich das Programm der Konferenz, der Open-IT Summit findet parallel statt, noch am heutigen Donnerstag treffen sich zahlreiche Unternehmen zu Vorträgen.