150.000 Bugfixes, 29.000 Pakete, davon 10.000 neue und 130 aktive Derivate, so lässt sich das neue Debian Squeeze auch beschreiben. Stefano Zacchiroli tat dies vor vollen Rängen in Berlin und hob auch die Neuerungen hervor, ein Bootsystem, das Abhängigkeiten besser regelt (dependency based boot system), eine Technologievorschau von KfreeBSD und nicht zuletzt die neuen Geschmacksrichtungen Debian Edu und Debian-Chem. Auch neu eingerichtete Servicekanäle wie Snapshots, Backports, Squeeze-Updates, Screenshots.debian.net und Ask.Debian offerierte der DPL dem Publikum zum Ausprobieren.

Als Erfolgsfaktoren der Distribution nannte Zacchiroli Qualität im Design, die sich im Expertentum der Maintainer und im ausführlichen Testbetrieb ausdrückt: Zacchiroli: "Es gibt in Debian keine zweitklassigen Pakete." An zweiter Stelle nannte der Projektleiter die Freiheit und Unabhängigkeit, die sich unter anderem darin manifestiere, dass es bei Debian weder ein unfreies Bit in der Distribution gäbe, noch einen Babysitter in Form einer Firma, die durch die Projektfinanzierung Einfluss auf Entwicklungen nehmen könne. Debian lebe von Spenden in Form von Geld und Hardware. Ein Großteil der Einnahmen fließe wiederum in Hardware und in die Treffen der Community wie demnächst (24. bis 30 Juli) bei der Debconf in Banja Luka (Bosnien Herzegowina).

Die mit Do-ocracy betitelte Entscheidungsfindung, die Entwicklern für ihre eigene Arbeit größtmögliche Freiheit einräumt, sieht Zacchiroli ebenfalls als Alleinstellungmerkmal an wie das Debian-Mantra: "We release when it's ready."

130 Derivate hat der DPL gezählt und dabei nur die aktiv betreuten mitgerechnet. In Ubuntu als größtem Ableger stecken 74 Prozent pures Debian, gab Zacchiroli zu Bedenken. In den Derivaten sieht er eine Chance, erstens weil sie zu einer Verbreitung von Linux und Open Source beitragen, aber auch durch den damit wachsenden Strom von Entwicklungen, die wieder zu Debian beitragen. Andererseits seien diese Ströme auch ein kompliziertes System, in dem es keine Verstopfungen geben dürfe, sonst drohe Stillstand. Den Erfolg von Ubuntu sieht Zacchiroli ohne Bitternis und gibt zu Bedenken: Freie Software ist viel größer und wichtiger als Debian, Ubuntu oder jede andere Distribution oder jedes Projekt.

In der Fragerunde gab Zacchiroli dann Auskunft zu derzeit laufenden Aktivitäten. Debian diskutiere derzeit über eine Ausgabe mit Long Term Support und auch über ein Rolling Release.