Open Source im professionellen Einsatz

Linuxtag 2010: Automatisch gebaute Pakete für Entwickler

11.06.2010

Auf der Debian-Minikonferenz im Rahmen des Linuxtags hat Axel Beckert seinen Kollegen vorgestellt, wie sich Softwarepakete automatisiert aus Entwickler-Repositories bauen lassen.

296

Die normalen Pakete der Distribution gehen durch die Qualitätskontrolle des Maintainers und werden manuell erstellt. Für Entwickler dagegen könne auch ein automatischer Build des aktuellen Codebestands nützlich sein, erklärte Beckert. So lässt sich die Software rasch installieren oder an die Tester-Community verteilen.

Der Changelog-Eintrag solcher Nightly Builds sollte allerdings klar stellen, dass es sich um ein ungeprüftes Paket handelt. Die verwendeten GPG-/SSH-Keys erhalten für die Automatisierung keine Passphrase und sollten daher für keine weiteren Zwecke eingesetzt werden, gab der Informatiker zu bedenken.

Das Erzeugen der Versionsnummer erfolgt nach einem besonderen Muster. Sie enthält einen Zeitstempel und einen Verweis auf den Snapshot oder das Versionskontrollsystem. Die Versionsnummer sollte kleiner sein als die des offiziellen Pakets, um versehentliches Überspielen zu verhindern. Dabei kann die Nummer sogar negativ sein, was bei Debian-Paketen durch eine Tilde ausgedrückt wird. Als Distribution dient die Bezeichnung "Unreleased", die das versehentliche Hochladen in ein offizielles Paketarchiv verhindert.

Am Beispiel des Gecko-basierten Webbrowsers Conkeror stellte Beckert sein Verfahren vor. Aus dem Git-Repository des Upstream-Projekts wird zunächst der neueste Code per Git-Pull abgeholt. Ein weiterer Checkout holt die Debian-Version des Maintainers, möglicherweise auch aus einem anderem Versionskontrollsystem. In einem Build-Directory erstellen Skripte das Archiv der Upstream-Version *orig.tar.gz, bilden den Diff zur Debian-Version und bauen aus dieser ein Binär- und ein Source-Paket. Anschießend wandern die Pakete in ein Apt-Archiv für Entwickler, dessen Paketliste aktualisiert wird.

Axel Beckert plant, als nächstes ein generisches Skript für Debian-Entwickler zu veröffentlichen, mit dem sich beliebige Pakete aus Snapshots von Versionskontrollsystemen bauen lassen. Das Feedback aus der Runde der anwesenden Debianer zeigte, dass andere Maintainer ähnliche Techniken einsetzen. Ein Teilnehmer schlug vor, ein komplettes Continuous-Integration-System wie Hudson einzusetzen.

Ähnliche Artikel

  • Fedora-Chef wünscht sich viele Ableger

    Max Spevack, Leiter des Fedora-Projekts, hat große Erwartungen an die für den 24. Mai anstehende Veröffentlichung von Fedora 7: Aus der neuen Version sollen Entwickler besonders leicht eigene Derivate bauen können.

  • Debianopolis

    Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

  • Debians Pläne für Lenny: KDE 4, IPv6, NFS 4

    Debians Release-Team hat das erste Rundschreiben verschickt, das über den Stand der kommenden Debian-Version informiert und Release-Ziele formuliert.

  • Software für Millionen

    Open Suses freier, übers Web zugänglicher Buildservice nimmt jedem interessierten Entwickler Arbeit und Ärger ab. Er kann sich aufs Programmieren konzentrieren statt für diverse Plattformen Compiler-Sessions abzuhalten, Abhängigkeiten nachzuhecheln und Pakete für Dutzende Distributionen zu schnüren.

  • Opensuse Build Service in Version 2.0 erschienen

    Der Opensuse Build Service, der Pakete für diverse Distributionen baut, bringt in der neuen Version neben einer schicken Oberfläche auch einige neue Features.

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2014

Digital Issue: Price € 6,40
(incl. VAT)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.