Nach Ansicht des IT-Chefs benötigen die Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung eine "lingua franca", eine gemeinsame Verkehrssprache, für den Dokumentenaustausch. Schuster sieht diese Anforderung nur durch den ISO-Standard Open Document erfüllt, Microsofts XML-Standard namens Office Open XML sei viel zu aufwändig für diesen Zweck. Zudem enthalte die umfangreiche Microsoft-Spezifikation zweifelhafte Anweisungen, beispielsweise die, an bestimmten Stelen Word 95 zu emulieren.

Open Office steht außerdem für zahlreiche Betriebssysteme zur Verfügung, strich Dr. Schuster als weiteren Vorteil heraus. Nach seinen Angaben betreibt das Amt im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft über 200 Linux-Laptops mit Open Office in Brüssel ohne nennenswerten Support-Aufwand.

Eine komplette Microsoft-Office-Lizenz zu rund 280 Euro hält der IT-Stratege für nicht angemessen, nur um Textverarbeitung zu betreiben. Durch den Einsatz freier Software kann das Auswärtige Amt seine IT-Kosten gering halten. Nach Schusters Angaben zählt es in dieser Hinsicht zu den sparsamsten deutschen Bundesbehörden. Im Jahr 2005 beispielsweise betrugen die EDV-Kosten des Amts rund 1000 Euro pro Mitarbeiter.

Von der Konkurrenz durch freie Software erwartet sich Dr. Schuster sinkende Preise bei den Herstellern proprietärer Software. Dabei müsse sich nicht die ganze öffentliche Verwaltung in eine Open-Source-Landschaft verwandeln. "Auch hier bin ich für Pluralismus und Demokratie - aber zu einem vernünftigen Preis.", merkte er in seinem Vortrag an.

Ende des Jahres 2005 stattete das Auswärtige Amt 2500 Arbeitsplätze in Berlin mit Linux aus. Bereits 2003 realisierte die Behörde die sichere Vernetzung von über 200 Vertretungen weltweit mit Open-Source-Software.