Open Source im professionellen Einsatz

Linux als Solaris-Ersatz

06.09.2017

Nach der Ankündigung von Oracle, Solaris in Rente zu schicken, stehen die Nutzer des Betriebssystem vor der Frage, welchen Ersatz es gibt. In einem ausführlichen Blogpost wirbt der ehemalige Solaris-Entwickler Brendan Gregg für Linux und zeigt die Alternativen zu beliebten Solaris-Funktionen.

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Brendan Gregg hat für Sun, später für Solaris gearbeitet und ist heute bei Netflix angestellt. In einem ausführlichen und sehr informativen Blogpost stellt er Linux als Solaris-Alternative vor und zeigt für beliebte Solaris-Features, welche Möglichkeiten Linux bereitstellt, um diese Möglichkeiten zu nutzen.

Zu den bekanntesten Errungenschaften von Solaris gehört das Dateisystem ZFS mit integrierter RAID-Funktionalität, Snapshots und automatischer Datenfehlerkorrektur. Hier empfiehlt Gregg ZFS on Linux, das seine eigene Firma bereits im Produktionsbetrieb verwende. Der wesentliche Unterschied für ihn bestehe darin, dass "kstats" in "/proc/spl/kstat/zfs/arcstats" stecke und er anstelle von Dtrace die entsprechenden Linux-Tracing-Tools einsetze. Arc könne noch etwas Feinschliff vertragen und der Sende- und Empfangs-Code von ZFS sollte das "TASK_INTERRUPTABLE"-Flag verwenden, um hängende Prozesse zu vermeiden, die sich nur per Reboot beenden lassen.

Seit kurzer Zeit lasse sich auch Dtrace, Solaris Echtzeit-Analysesoftware für den Kernel und Anwendungen, durch quelloffene Tools ersetzen. Dazu gehören neuere Kernel-Tracer, die sich auch in der Produktion ohne großen Overhead einsetzen lassen. Zugleich können Admins die meisten Dtrace-Skripte seit Kernel 4.9 portieren. Eine Grafik, die auch für Linux-Anwender interessant sein könnte, zeigt zudem, welche Tools unter Linux für welchen Bereich zuständig zeichnen. Als Dtrace-Ersatz hebt Gregg insbesondere Ftrace (seit 2008), Perf (seit 2009) und E-BPF (seit 2016) hervor.

Mit Zones bot Solaris schon lange vor Docker und Rkt eine Containerlösung an. Zones und die Containerlösungen unter Linux unterscheiden sich allerdings in einigen Punkten voneinander, Gregg verweist auf einen Blogpost von Jessie Frazelle, der die Unterschiede hervorhebt. Ein Problem mit Containern sei, dass sie noch immer Moving Targets sind und nicht optimal dokumentiert. Greggs Blogeintrag verweist daher auf Dokumente zu Linux Namespaces und Cgroups der Wikipedia und im Kernel. Ein weiteres, noch diskutiertes Problem sei das Fehlen von Container IDs im Kernel, die das Tracing im Kernel erleichtern würden. Als Workaround empfiehlt er den Einsatz von "perf_events" Cgroup-IDs.

Als Ersatz für Oracle VM nennt er vor allem Xen, das sich sehr ähnlich anfühle, aber seiner Meinung nach schwieriger zu bedienen sei als KVM. Auch Systemd bringt Gregg in dem Blogpost unter: es sei vergleichbar mit Solaris SMF (Service Management Facility), das bei seiner Einführung unter Solaris-Nutzern nicht auf einhellige Begeisterung stieß. Einige User drohten damals, bei Solaris 9 zu bleiben oder gleich auf Linux zu wechseln.

Am Ende seiner ausführlichen Auseinandersetzung geht er noch auf die Punkte Performance, Sicherheit und Zuverlässigkeit ein. Abhängig vom Workload sollte Linux in der Regel bis zu ein paar Prozent schneller laufen, zehn Mal schneller sogar, wenn auf Solaris saubere Treiber fehlen. Mit Dtrace konnte er in der Vergangenheit allerdings Solaris beschleunigen, für Linux gab es damals noch kein BPF. Zugleich lobt er die Stabilität der LTS-Versionen von Ubuntu: Er habe in einer enormen Flotte von Linux-Instanzen in drei Jahren nur drei Kernel-Paniken erlebt. Tritt dann eine Kernel-Panik auf, würden die Linux-Entwickler schnell auf die damit einhergehenden Oops-Messages reagieren.

Wer sich ansonsten für die unterschiedlichen Tools von Linux und Solaris interessiere, dem helfe der "Rosetta-Stein für Unix" weiter. Diese umfangreiche Tabelle erlaubt es, die Tools der verschiedenen Systemen direkt miteinander zu vergleichen. So erfährt der Admin schnell, mit welchen Befehlen sich unter Linux User ergänzen und löschen lassen und welche Kommandos die Hardwarekonfiguration auflisten.

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