Open Source im professionellen Einsatz

Linux Torvalds im BBC-Interview: Linux kein Kum-ba-Ya-Verein

13.06.2012

Aus Anlass der Preisverleihung des Millenium Technology Price hat Linus Torvalds der BBC ein längeres Interview gegeben, in dem er Entstehungsgeschichte, Motivation und Hintergründe der Linux-Erfolgsgeschichte erklärt.

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Egoismus, Vertrauen, die Freiheit zu wählen und ein gemeinsamer Wunsch seien die Triebfedern der Linux-Entwicklung, schildert Torvalds der BBC am Rande der Preisverleihung des diesjährigen Millenium Technology Price (Linux-Magazin Online berichtete). Keineswegs von Anfang an geplant sei das gelaufen, schildert er die Anfänge des freien Projektes.

"Kein Kum-Ba-Ya-Verein"

In der für ihn typischen Art beschreibt er das Linux-Projekt als "nicht die große Goody-goody-Show, wo eine Horde von Weltverbesserern "Kumbaya my lord" am Lagerfeuer singen", sondern durchaus von Egoismus und der Suche nach finanzieller Belohnung getrieben. Fairness und Vertrauen kämen da ins Spiel, wo beispielsweise die GPL eine einfache, gerechte Lösung darstelle, "fair fürs Individuum, fair für Firmen, sogar fair nach globalen Massstäben".

Streiten und vertrauen

Selbst wenn heute knapp 8000 Entwickler am Kernel beteiligt sind, sei es viel schwerer, in ein Core-Developer-Team vorzustoßen als früher. Trotzdem glaubt er, wer sich auf weniger komplexe Randbereiche konzentriere, könne sich gut einbringen. Wie in vielen anderen Bereichen sei auch dabei beiderseitiges Vertrauen das wichtigste. Trotz Flamewars und erbitterter Diskussionen wüssten die Entwickler am Ende des Tages meist doch genau, dass der andere - selbst wenn man seine Meinung nicht teilt und ihn auch gar nicht leiden könne - für das steht, was er sagt und "dich nicht über den Tisch zu ziehen versucht".

Torvalds im Original: "Trust" is not about some kind of absolute neutrality, or anything like that, but it's about a certain level of predictability and about knowing that you won't be shafted."

Was den Erfolg Linux' auf dem Desktop angeht, ist Torvalds skeptisch, sieht aber auch keine Notwendigkeit mehr dafür, weil der Browser immer wichtiger Client wird. Andererseits ermögliche das auch immer mehr Linux-Betriebssysteme "unten drunter", wie der Erfolg des in den USA häufig verkauften Chrome OS zeige. Immerhin sehe Microsoft Linux nicht mehr als Feind, und Mini-PCs wie der Raspberry Pi feiern große Erfolge.

 

 

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