Linux-Superrechner in Braunschweig
13.05.2008
Einen Linux-Superrechner haben das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Flugzeug-Hersteller Airbus und das Land Niedersachsen in Braunschweig aufgestellt. Das 46,6-Teraflops-Cluster würde ein 24 Quadratmeter großes Zimmer füllen.
T-Systems hat das System aufgebaut. Im Superrechner sind Sun-Blades verbaut. Als Prozessoren wählten die Architekten AMD Opteron-CPUs mit zwei Rechenkernen. Das Cluster arbeitet mit 3072 Prozessor-Kernen, die zu 768 Knoten verbunden sind. Jedem Knoten sind 16 GByte Hauptspeicher zugewiesen, zehn Knoten bekommen sogar 32 GByte. Obwohl der Monsterrechner namens C2A2S2E, benannt nach dem gleichnamigen DLR-Projekt Center for Computer Applications in Aerospace and Engineering, sich komplett aus Sun-Hardware rekrutiert, kommt darauf Linux zum Einsatz: der Suse Linux Enterprise Server 10.
Anders als viele Multi-Purpose-Systeme soll der Rechner-Cluster dediziert den Forschern für Strömungssimulationen zur Verfügung stehen. Er soll für Stromlinien-Simulationen in der Flugzeugentwicklung dienen. Das DLR habe sich für Linux entschieden, weil es die dort hauptsächlich verwendeten Simulationsanwendungen TAU und ELSA auch schon unter Linux entwickelt hat. So habe man schon vor längerer Zeit Linux-Know-how in der DLR aufgebaut, verriet ein DLR-Sprecher im Gespräch mit Linux-Magazin Online. Externe Gutachter hätten dies ebenfalls empfohlen.
Als Rechengeschwindigkeit des Luftfahrt-Simulators gibt der IT-Arm des magentafarbenen Konzerns T-Systems 46,6 Teraflops pro Sekunde an (FLOPS, floatingpoint operations per second). T-Systems kündigte an, im Laufe des Jahres die Anzahl der Kerne durch den Einsatz von Quadcore-Opterons noch auf 6144 aufzustocken. Bei der aktuellen TOP-500-Liste der Supercomputer hätte der Braunschweig-Rechner den 81. Rang eingenommen - in Deutschland sogar Platz 5. Die Maschine verfügt bei Inbetriebnahme über 500 TByte Festspeicher. Auf ihn greift der Cluster über einen Infiniband-Switch Datacenter 3456 zu, den ebenfalls Sun liefert: Er sei weltweit der einzige, der soviele (3456) Ports unterstützt, versicherte T-Systems gegenüber Linux-Magazin Online.
Den Riesenrechner bringen die Anschaffungspartner auf dem Gelände des Forschungsflughafens Braunschweig unter. Inklusive Zugangsbereichen erweitert sich der Platzbedarf von den 24 Quadratmeter reine Stellfläche auf 60 Quadratmeter. An Leistung nimmt die Maschine 255 Kilowatt auf.
Das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr fördert das auf 15 Jahre angelegte Luftfahrt-Forschungsprojekt. Für die ersten fünf Jahre haben die Projektpartner ein Budget von 30 Million Euro veranschlagt, das sie zu gleichen Teilen tragen. Allein die die Stromrechnung verschlinge die Hälfte davon, gestand der DLR-Sprecher, die andere Hälfte die Hardware und deren Betrieb.
(Anika Kehrer, Nils Magnus)
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