Open Source im professionellen Einsatz

Linux-Desktop im Aufwind: KDE 4.1 ist da

29.07.2008

Für KDE 4.0 mussten die Entwickler einiges an Kritik einstecken. Sie verwiesen dann auf KDE 4.1 - zurecht, wie sich nun zeigt. Die neue Version wirkt stabiler und ausgereifter.

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Noch ist allerdings nicht alles perfekt. Wer in erster Linie ein stabiles KDE sucht, setzt weiterhin besser auf Version 3.5. Das neue KDE 4.1 fühlt sich an wie eine gute Beta-Version: stabil aber noch mit ein paar Bugs.

Das, was funktioniert, sieht beeindruckend aus. Das fängt beim Splashscreen an, geht weiter über Programme wie Gwenview und Dolphin hin zu den nun sehr viel besser funktionierenden Plasmoiden sowie den integrierten Desktopeffekten. Laut Release-Manager Dirk Müller flossen zwischen KDE 4.0 und 4.1 20803 kleine Änderungen in den Desktop ein und 15432 in den Übersetzungszweig.

Dank neuer Icons, Plasma-Desktop und Kickoff-Menü wirkt die GUI von KDE 4.1 insgesamt eleganter als die des Vorgängers 3.5 -- aber auch etwas düster. Den Desktop in KDE 4 steuert Plasma, das auch die Webkit-Engine von Apple nutzt. So lassen sich nun auch Dashboard-Applets von OS X einsetzen. Wer in 4.0.0 ein Plasmoid drehte, brachte mitunter den gesamten Desktop zum Stillstand. In KDE 4.1 laufen die meisten hauseigenen Plasmoiden und der Desktop deutlich stabiler, performanter und Ressourcen schonender - auch dank Trolltechs Qt 4.4, das dabei zum Einsatz kommt. Ruckelnde Grüße schicken allerdings die proprietären Nvidia-Treiber: Die Techbase von KDE gibt Besitzern von Nvidia-Grafikkarten Tipps, um das Problem zu beheben. Im Kurztest mit einem Grafikchip von Intel gab es hingegen keine Performance-Probleme, auch von ATI-Karten hört man bisher keine schlechten Nachrichten.

Der neue Splashscreen sieht beeindruckend aus.

Während viele Anwender ihre Dateien gern auf dem Desktop ablegen, wollten die Entwickler das nicht mehr. Das als Kompromiss entstandene "Ordneransicht-Applet" löst die Widersprüche auf. Nicht zuletzt bringt Plasma einige hübsche Grafikeffekte mit, die Linux-Anwender von Compiz und seinen Vorgängern kennen. Über "Systemeinstellungen | Arbeitsfläche" lassen diese sich aktivieren und deaktivieren. Drücken Sie dann etwa [Alt]+[Tab], erscheinen die gerade geöffneten Fenster im Cover-Switch-Modus.

Im Dateimanager Dolphin lassen sich Dateien semantisch taggen.

Auch unter der Haube warten Veränderungen: Das Multimedia-Framework Phonon unterstützt als Backends nun auch GStreamer, DirectShow 9 und Quicktime. DirectShow? Quicktime? Genau: KDE 4 läuft auch unter Windows und auf dem Mac - allerdings in einer schlankeren Variante. Um Dokumente schneller zu finden, verwendet KDE 4.1 Strigi. Die Suchsoftware indiziert Dokumente (etwa PDFs, Archive oder MP3s) von der Festplatte. Nepomuk verfeinert die Suche nach Inhalten. Erste Anzeichen des semantischen Frameworks gibt es schon: So kann man Bilder in Dolphin kommentieren und thematisch taggen. Zukünftig soll Nepomuk aus KDE 4 einen semantischen Desktop machen.

Der Cover-Switch-Effekt beim Wechsel zwischen Anwendungen.

Erstmals sind nun auch wieder die bekannten PIM-Komponenten (Personal Information Management) Teil von KDE 4. Dazu gehören etwa KOntact, KMail, KNodes, Akregator sowie KOrganizer, die nun in KDE 4 Einzug halten. Auch Akonadi hat seinen Weg in die neue Version gefunden: Es versammelt im Hintergrund die Informationen (etwa Adressen) für die verschiedene PIM-Komponenten unter einem Dach.

Der Desktop mit Plasmoiden und dem neuen Schnellstartmenü.

Dateimanager Dolphin bringt nun neben den beliebten Tabs wieder eine Baumansicht mit, beim Bruder Konqueror kehrt die "Kopieren-nach"-Funktion ins Kontextmenü zurück. Der spartanische Dragon Player spielt Multimedia-Inhalte ab, reicht aber anderen Mediaplayern funktional noch nicht das Wasser. Auch an Gwenview haben die Entwickler geschraubt: Der Bildbetrachter sieht nicht nur besser aus, sondern lässt sich auch sehr intuitiv bedienen und bringt einen Bilder-Browser für den Vollbildmodus mit. Zudem erlaubt es das Grafikprogramm, Schritte rückgängig zu machen.

Das Startmenü gibt es auch in klassischer Ausführung.

Wer den Desktop testen will, gelangt am schnellsten mit einer Live-Version von Stephan Binner ans Ziel. Einfach die ISO-Datei auf eine CD brennen, diese in den CD-Schacht schieben und neu booten. Als Trägersystem kommt Opensuse 11 zum Einsatz. Ansonsten gibt es auch recht schnell aktualisierte KDE-Pakete für die verschiedenen Distributionen. Die Entwickler arbeiten nun bereits an Version 4.2, die laut Fahrplan im Januar 2009 erscheinen soll.

Der Bildbetrachter Gwenview arbeitet schnell und sieht gut aus.

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