Open Source im professionellen Einsatz

Linux 4.9 ist erschienen

12.12.2016

Linux-Kernel 4.9 ist fertig. Linus Torvalds vermutet, es handelt sich um die bislang umfangreichste Release, Grund dafür ist hauptsächlich das Greybus-Subsystem.

544

Das Subsystem war eigentlich für das von Google kürzlich eingestellte Project Ara gedacht, komme aber laut Entwickler Greg Kroah-Hartman noch an anderer Stelle zum Einsatz, etwa in einem Motorola-Smartphone. Der Entwickler zieht auch in Erwägung, Langzeitsupport für den Kernel zu leisten. Bestätigen will er das aber erst irgendwann nach der Release des Kernel 4.9, damit die Entwickler nicht auf die Idee kommen, schlecht getesteten Code in die Release zu schieben.

Torvalds selbst gefällt vor allem der nun im virtuellen Adressraum anlegbare Kernel-Stack, der Code kam von Entwickler Andy Lutomirski. Bislang wurde der Kernel-Stack üblicherweise in einem für den Kernel reservierten Bereich des Arbeitsspeicher angelegt und war im Umfang begrenzt. Angreifer nutzten das, um über Stack Overflows an Rootrechte zu gelangen. Der neue Stack bietet mehr Platz und sichert den Kernel besser gegen Stack-Überlaufe ab.

XFS bringt nun "super CoW powers!" mit, steht in der Pull-Nachricht zum Dateisystem. Die bezieht sich auf die neue Copy-on-Write-Funktionalität (CoW) für XFS, die Reflinks ermöglicht. Anstatt einen neuen Link anzulegen, der auf eine existierende Inode verweist, erzeugt das Dateisystem dank Reflinks eine neue Inode, die denselben Plattenplatz belegt wie die Originaldatei. Das sieht von Außen wie ein Kopiervorgang aus, ohne aber die aktuellen Datenblöcke zu kopieren, die Rede ist auch von "leichtgewichtigen Kopien".

Kernel 4.9 bringt zwar die für Reflinks nötigen Änderungen mit, der Support für den Userspace steckt allerdings noch in den Anfängen. Er lasse sich bislang nur mit Code aus dem Xfsprogs-Repository manuell nachrüsten. XFS-Entwickler Dave Chinner erwartet zudem, dass beim Umfang der Änderungen weitere Patches und Fehlerbereinigungen folgen, das Feature gilt als "experimentell" und ist mit einer Warnung versehen.

Explicit Fencing nennt sich eine Neuerung im Kernel, die vor allem im grafischen Bereich eine Rolle spielt, beim Synchronisieren von Puffern. Dank Explicit Fencing erfährt auch der Userspace, wenn der Kernel Puffer zwischen zwei Treibern oder Prozessen synchronisiert. Ein Compositor kann diesen Prozess dann aktiv kontrollieren. Sendet also ein Prozess einen Request an den Kernel, der zum Beispiel einen Puffer für Grafik involviert, hängt er an diesen Puffer einen Fence. Dieser sendet dem Userspace oder anderen Treibern ein Signal, sobald ein Job erledigt ist. Letztere greifen erst dann auf den freien Puffer zu.

Beim Implicit Fencing, dem bisherigen Verfahren, erfuhr der Userspace nicht oder nur umständlich, ob der Kernel Puffer synchronisiert. Das führte im schlechten Falle dazu, dass Treiber oder der Userspace unvollständige Puffer lasen oder in Puffer schrieben, die noch an anderer Stelle im Einsatz waren. Da Explicit Fencing sämtliche Puffer einbezieht, muss zudem nicht der gesamte Desktop warten, falls ein einzelner Puffer mal seine Arbeit zu langsam erledigt.

Auch im GRafikbereich tut sich etwas: Im August veröffentlichte der AMD-Angestellte Alex Deucher zudem erste Patches für Linux 4.9. Diese und weitere Commits führen unter anderem eine experimentelle Unterstützung des AMDGPU-Treibers für Grafikprozessoren der Southern-Islands-Reihe (GCN 1.0) ein. Dazu gehören zum Beispiel die Radeon HD7750 bis HD7970 oder R7-240, -250 und R9-270 sowie -280. Auch die Energieverwaltung AMD Powerplay arbeitet nun zuverlässiger. Der Quellcode für Kernel 4.9 wartet wie üblich auf Kernel.org, die Änderungen im Detail verrät das Git-Log.

,

Ähnliche Artikel

  • Kernel-News

    Mit 14308 Commits stellt der Linux-Kernel 4.9 einen neuen Rekord auf und überflügelt damit die bisherige Megaversion 3.15. Änderungen am Stack sorgen für mehr Sicherheit, XFS erhält Superkuh-Power.

  • Kernel: Schlankheitskur für Puffer

    Ein neues Entwicklungsprojekt für den Linux-Kernel rückt aufgeblähten Puffern zu Leibe und will damit die Netzwerklatenz verkleinern.

  • Kern-Technik

    Das Relay-Subsystem ermöglicht den Datenaustausch großer Datenmengen zwischen Kernel- und Userspace in Hochgeschwindigkeit. Diese Kern-Technik-Folge erklärt dies Schritt für Schritt.

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.