Open Source im professionellen Einsatz

Linux 4.10 ist gelandet

20.02.2017

Bereits zu Weihnachten erschien der erste RC von Linux 4.10, nun ist der Kernel offiziell fertig. Fortschritte gibt es im Umgang mit abhängigen Treiber, Intel liefert Code für vGPUs und F2FS unterstützt ZBC-basierte Laufwerke.

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Entwickler Rafael J. Wysocki hat sich um "funktionale Abhängigkeiten" gekümmert und steuerte entsprechenden Code bei. Konkret betrifft das Fälle, in denen der Treiber für ein Gerät B erst dann arbeiten kann, wenn ein Gerät A und dessen Treiber vorhanden sind. Treiber A muss also einerseits vorhanden sein, bevor Treiber B startet und darf andererseits nicht vor Treiber B wieder von der Bildfläche verschwinden.

Während es für Btr-FS nur wenig spektakuläre Korrekturen und Bereinigungen gab, konnte Samsungs Flash-Friendly File System (F2FS) mit neuen Features und Performance-Steigerungen aufwarten. Die Entwickler reichten Patches ein, um die Performance bei Datentransfers zu steigern. Daneben unterstützt F2FS nun auch neue Features wie ZBC-basierte Laufwerke. Die Abkürzung steht für Zoned Block Command, solche Befehle gelten als Standard, um Serial Attached SCSI-Laufwerke (SAS) zu adressieren, die Shingled Magnetic Recording verwenden. Diese zonenbasierte Datenspeicher-Technik schreibt Tracks in überlappender Form, die an Dachschindeln erinnern, was es erlaubt, eine höhere Spurdichte zu erreichen.

Im XFS-Lager kündigte Entwickler Dave Chinner Änderungen an. Eine neue Direct-I/O-Implementierung nutze die Iomap-Infrastruktur, arbeite schneller und ist einfacher aufgebaut. Zugleich erzeuge der Wechsel weniger I/O-Latenz als die bisherige I/O-Infrastruktur. Auch die Ext-4-Entwickler befassen sich mit dem Iomap-Interface. Sie steuerten Neuerungen bei, die nötig sind, um Dax I/O-Pfade mit dem Iomap-Interface zu verwenden. Dax steht für Direct Access. Grob geht es darum, das auf Blockgeräten überflüssige Speichern von Daten im Page Cache zu umgehen.

Ein nicht unwesentliches Gewicht lag einmal mehr auf den Änderungen für die Grafikkartentreiber. Vor allem zahlreiche AMD-Register-Header würden die Patches aufpumpen, schrieb Entwickler David Airlie. Die freien AMDGPU-Treiber kommen nun mit mehreren virtuellen Displays zurecht, ein neuer VM-Manager verwaltet nicht-zusammenhängende VRAM-Puffer. Neu an Bord ist auch UVD-Powergating, das den UVD-Block abschaltet, wenn dieser nicht aktiv ist. Das soll Energie sparen. Außerdem reichte Airlie im Nachgang zur Version 4.10-rc2 Support für Polaris 12 ein. Unter dieser Versionsnummer sollen im Jahr 2017 mehrere AMD-GPUs für AMDs Grafikarchitektur erscheinen.

Für Intels i915-Treiber floss eine Menge Code in den Support für die Virtualisierung in Form der Graphics Virtualization Technology (GVT). Die ermöglicht es, eine GPU mit Hilfe virtueller GPUs (vGPUs) zwischen verschiedenen virtuellen Maschinen zu teilen. Noch sei nicht der komplette Code da, schrieb der Entwickler. Nouveau bringt beachtenswerte Neuerungen am Powermanagement mit und unterstützt neuerdings Atomic Modesetting und Displayport Multistream. Auch erster Support für Boost Clocking steckt im Treiber, um die Boost-Clock-Frequenzen von Kepler-Grafikkarten zu nutzen.

Im Subsystem für Human Interface Devices unterstützt Kernel 4.10 eine neue Klasse von Wacom-Tablets (Mobile Studio Pro), Microsofts Surface Tablets in den Versionen 3 und 4, das PS3-Tablet U-Draw sowie Sonys Dualshock-4-Dongle. Der fertige Kernel wartet wie gewohnt auf Kernel.org.

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