Open Source im professionellen Einsatz

Linus gibt Kernel 3.10 frei

02.07.2013

Linus Torvalds pflegt wie so oft sein Understatement, als er am Sonntag dem Kernel 3.10 den Final-Stempel aufdrückte. Dabei sind Menge und Qualität der Änderungen gegenüber dem Vorgänger sehr beachtlich. 

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"Alles in allem ist diese Version ist ziemlich typisch und nicht besonders anfällig für Probleme ... Wie üblich entfällt der Großteil der Patches auf Treiber (ziemlich genau zwei Drittel), während sich der Rest gleichmäßig zwischen Arch-Updates und Misc aufteilt. Diesmal sind keine wichtige neue Subsysteme dabei, aber einzelne neue Funktionen." Als Linus am Sonntag, dem 30.6., um 23:09:59 Uhr sein Kernel-3.10-Freigabe-Posting absetzte, hielt er den Ball flach. Dabei lässt sich die neue Version durchaus sehen.

Timerticks reduziert

So kommt Linux ein ganzes Stück weiter beim Reduzieren von eigentlich überflüssigen Timerticks auf Multicore-Systemen. Wer dafür sorgt, dass auf einer CPU nur ein Prozess zugegen ist, kann Linux auf dieser die Ticks deaktivieren. Der Scheduler unterbricht dann nur noch ein Mal pro Sekunde den Ablauf statt bis zu 1000 Mal. Das hilft natürlich bei Realtime-Systemen sehr, aber auch Desktops. In Sachen Interprozesskommunikation lassen sich Semaphore künftig einzeln statt Array-weise sperren. RW-Semaphore, die mit dem so genannten Opportunic Lock Stealing bearbeitet werden, funktionieren künftig auch mit Fastpath.

Tail Loss Probe, Bcache, F2FS

Der TCP-Stack hat einen Algorithmus implementiert, der verlorene Pakete am Ende einer Transaktion wiederherstellt. Tail Loss Probe (TLP) soll lange Timeouts verhindern.
Zum in Version 3.9 eingeflossen Code für DM-Cache fügt Linux 3.10 mit Bcache (Block Layer Cache) ein ähnliches von Google entwickeltes Framework hinzu, welches vorhandene SSD zum Zwischenspeichern von Blöcken heranzieht (Random Write-Through und Write-Back). Neben Geschwindigkeitsoptimierungen im Flash-Friendly Filesystem (F2FS) und experimentellen Checksummen für Metadaten im XFS bekommt Btrfs kompaktere Extent-Strukturen, die laut den Entwicklern bis zu 35 Prozent Platz sparen. Die Funktion ist naheliegend nicht abwärtskompatibel, und der User muss beim Formatieren des Dateisystems eine Option angeben.

Noch besser virtuell

Die Liste der Verbesserungen, welche die verschiedenen Virtualisierungen betreffen, ist lang. Xen kommt beispielsweise jetzt mit mehreren ARM-Prozessoren klar. Außerdem unterstützt das Subsystem Cpufreq, das die Taktfrequenz von Prozessoren regelt, ARM Big-Little. In dieser Architektur kombiniert ARM bekanntlich leistungsstarke und enrgiesparende Cores auf einem Chip. KVM auf Intel-CPUs verbessert Linux 3.10 die Nested Virtualisation. Neu ist des Weiteren ein Grafiktreiber für Spice auf KVM-Gäste. Und über Pvpanic teilen Xen- oder KVM-Hostsysteme mit, wenn einer ihrer Gäste abstürzt.

Neuer Nouveau-Treiber

Der Nouveau-Treiber für Nvidia-GPUs komprimiert bei Fermi- und Kelper-Chips Teile des Grafikspeichers. Eine neue Schnittstelle, die Nvidia beigesteuert hat, beschleunigt 2-D auf Tegra 2 und 3. Linux 3.10 unterstützt AMDs Richland-Prozessoren und Hainan-GPUs, und Intel schickte Code, mit dem sich die eigenen GPUs übertakten lassen und der das Aufwachen aus dem Bereitschaftsmodus verbessert. 

Wer noch mehr Details braucht, findet auf der Webseite der Kernelnewbies eine lange Liste der Neuigkeiten, die Linus in seinem kurzen Posting verschweigt - gut gepflegt und stetig erweitert.

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