Open Source im professionellen Einsatz

Linus Torvalds: Innovation ist Bullshit

22.02.2017

Beim Open Source Leadership Summit hat Linus Torvalds Jim Zemlin von der Linux Foundation im Interview auf seine unverblümte Art die Vorzüge von Open-Source-Entwicklung beschrieben.

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Dass Entwicklung des Linux Kernels in einem zweimonatigen Release-Zyklus stattfindet, zählt der Linux-Erfinder zu den großen Errungenschaften seines Projekts. Torvalds erinnerte sich, dass es mit den anfänglichen Zyklen von rund drei Jahren bis zu einem Major-Release des Kernels nur Probleme gegeben habe. Die lange Zeit zwischen den Releases habe viele Änderungen mit sich gebracht und der Wille der Gemeinde, die Pre-Releases auf Funktionalität zu testen, sei gering gewesen. Mit dem großen Wurf nach mehreren Jahren habe der Ärger wegen aller möglicher Probleme angefangen.

Sein Vorschlag, den Zyklus auf acht Wochen zu verkürzen habe vor zehn Jahren bei einem Kernel-Summit noch für unverhohlenes Gelächter unter den anwesenden Kernel-Hackern gesorgt. Eventuell sei ein halbjährlicher Zyklus denkbar, hieß es von einigen, kürzer auf keinen Fall. Dass es Torvalds ernst meinte und die kurze Release-Zeit durchgezogen hat, könnte man als einen Erfolgsfaktor des Kernels sehen, so Torvalds und es erleichtere auch seine Arbeit, die inzwischen hauptsächlich in der Steuerung der Prozesse liege. Probleme mit dem Code seien eine Herausforderung und ihre Lösung könne Spaß machen, Probleme mit den Arbeitsprozessen seien „pain in the ass“.

Dass er seit seinen Anfängen in Helsinki auf die Kommunikation mit oft weit entfernten Entwicklern angewiesen war und die Kernel-Entwicklung auf das verteilte System Git eingestiegen sei, sieht er ebenfalls als Glücksfall an. Erst dadurch sei es möglich, die Entwicklung modular voranzutreiben und Dinge parallel zu bearbeiten. Dass sich der harte Kern der Kernel-Entwickler inzwischen seit 25 Jahren auf die Zehen tritt, habe zu einem Netzwerk des Vertrauens geführt, sagte Torvalds, er brauche nicht jede Zeile Code zu lesen, was bei den Umfängen der Releases auch nicht möglich wäre. Durch dieses Netzwerk des Vertrauens, bei dem Code aber auch drei bis vier Stationen durchlaufe, sei es erst möglich, mit 1000 Leuten zusammenzuarbeiten.

Die Open-Source-Entwicklung sei derjenigen von Firmen überlegen, allein schon durch die Vielfalt. Es werde wohl keine Firma geben, die zehn Teams mit der Entwicklung eines Projekts beauftrage um sich dann für die beste Lösung zu entscheiden. In der Open-Source-Community gäbe e diese Vielfalt in vielen Bereichen.

Linus Torvals beim Open Source Leadership Summit. Quelle: Linux Foundation

Torvalds outete sich im Interview als wenig angetan von der vorherrschenden Hype-Kultur der IT-Landschaft, in der ständig von Innovation und Revolutionen die Rede sei. Die Entwicklung von Software bestehe aus 99 Prozent Arbeit und einem Prozent Innovation. Sein Credo laute aus Erfahrung: Get the Things done. Das Innovationsgerede und das präsentieren von einer Idee nach der anderen sei Bullshit. Es gäbe nun mal kein intelligentes Design eines Projekts, Code entwickeln sei eine Sache von Trial and Error und der Lösung von Problemen bis ins Detail. Man braucht für die Entwicklung die Leute die die Arbeit machen.

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