Open Source im professionellen Einsatz

Limux-Aus: Stadtrat München lässt Rückkehr zu Windows prüfen

15.02.2017

In seiner Vollversammlung am 15. Februar hat sich der Münchner Stadtrat mit den Stimmen der schwarz-roten Mehrheit entschieden, die Umstrukturierung der städtischen IT prüfen zu lassen. Der Beschluss sieht vor, dass die Umstellung auf Windows-Clients und marktübliche Office-Programme geprüft werden. Bei den Office-Programmen, das klang bei einigen Redebeiträgen an, sei Microsoft Office gemeint. Das in der Stadtverwaltung eingesetzte Linux-Projekt Limux dürfte dann bald Geschichte sein.

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Der am Donnerstag beschlossene Änderungsantrag umfasst neben der Umstellung auf Windows auch die organisatorische Neuausrichtung der städtischen IT. Es soll einen verantwortlichen Refrenten geben und die bislang in drei einzelnen Bereichen aufgeteilte IT-Verwaltung soll in GmbHs ausgelagert werden. Die Umsetzung soll, wenn der Stadtrat den Prüfungsergebnissen später zustimmt, bis 2020 erfolgen.

Da die schwarz-rote Mehrheit sich in ihren Redebeiträgen für eine Umstellung auf den Windows-Client aussprach, auch wenn Kosten und Organisation noch zu prüfen seien, darf mit dem Ende von Linux als Client der Stadt München gerechnet werden.

In der Debatte musste sich die CSU-SPD-Mehrheit kritischen Beiträgen der anderen Fraktionen und Gruppierungen anhören.

Thomas Ranft (Piraten) von der Gruppierung Freiheitsrechte Transparenz, Bürgerbeteiligung (FTB) sprach in der Sitzung von einem traurigen Tag, den der Ausstieg aus Linux bedeute. Die vorhandenen IT-Probleme seien struktureller Natur und nicht dem Linux-System zuzuordnen. Ranft zitierte aus einem Schreiben eines für Libreoffice zuständigen Mitarbeiters der Münchner IT-Verwaltung "IT @ M" dort wird bemängelt, dass die Entscheidung Linux den Rücken zu kehren nicht auf Fakten sondern Emotionen beruhe. Es werde auf Linux geschimpft, ohne die strukturellen Probleme zu sehen. Das Kreisverwaltungsreferat München etwa nutze ausschließlich Windows-Rechner mit veralteten Openoffice-Versionen, für die es keinen Support mehr gäbe. Die Umstellung von 9000 Vorlagen und 130 Makros bis 2020 sei utopisch, schreibt der von Ranft zitierte Mitarbeiter.

Auch Florian Roth (Grüne/Rosa Liste) zweifelt an der Sinnhaftigkeit einer reumütige Rückkehr zu Microsoft. Er sei erstaunt, dass nun innerhalb von 10 Tagen, so alt sei der Änderungsantrag, eine 180 Gradwende beantragt werde. Auch Roth sieht eher strukturelle Probleme als solche mit Linux. Die Mitarbeiter-Umfrage habe ergeben, dass 68,6 Prozent mit der Funktionalität der Software zufrieden seien. Mit der Organisationsstruktur aber seien nur 32 Prozent zufrieden. Auch das Gutachten von Accenture empfehle Libreoffice weiterhin als Standard zu nutzen und Microsoft Office als Fachanwendung wo nötig. Roths Fazit lautet, weder die Mitarbeiter, noch das Gutachten noch die Verwaltung empfehle eine komplette Abkehr von Limux. Diese Abkehr sei vielmehr von einer kleinen Runde von Spezialisten aus CSU und SPD vor zehn Tagen beschlossen worden.

Durch den Umstieg seien Kosten im enormer Höhe zu erwarten, sagte Roth und nannte Lizenzkosten, Hardware-Anschaffungen für Windows und zu erwartende Sicherheitsprobleme als Faktoren. Der Ausstieg aus Limux sei unausgegoren, unprofessionell und unverantwortlich, schimpfte Roth und schloss seinen Beitrag mit den Worten „Lassen Sie das“.

Für die SPD-Fraktion sprach Anne Hübner von der Hälfte der Mitarbeiter, die mit der IT unzufrieden seien. Die Mitarbeiter nennen laut Hübner dabei die Diversität der Systeme, deren Alter und die fehlende Kompatibilität. Da Windows zudem bereits jetzt auf 20 Prozent der Rechner laufe,und man auf Windows nicht verzichten könne, sei es sinnvoller gleich alle Rechner auf ein System umzustellen. Im Gutachten von Accenture seien Betrieb, Pflege und Aktualisierung unterschiedlicher Clients als eine der Hauptursachen für Probleme der IT genannt. Durch die Einführung eines Systems könne man dieses Problemfeld beseitigen. Es müsse wegen der überalterten Windows-Rechner dringend ein aktueller Windows-Client angeschafft werden, so Hübner, warum das vier Jahre dauern soll, solle die Verwaltung beantworten. „Linux war keine Fehlinvestition aber wir können nicht zweigleisig fahren, das ist die Grundlage unserer Entscheidung“, sagte Anne Hübner.

Stadträtin Brigitte Wolf (Linke) sprach von einem maximalen Schaden, den ein nur zweiseitiger Antrag anrichte. Auch Tobias Ruff von der ÖDP sprach von einem traurigen Tag, Nach zehn Jahren teils stürmischer Entwicklung habe Limux ruhiges Fahrwasser erreicht, jetzt könnte man Verbesserungen herbeiführen. Nicht das Betriebssystem ei das Problem, sondern Personalmangel und wie IT aufgestellt sei. Die Hoheit der Daten von Stadt und Bürgern müsse in den Händen der Stadt bleiben und nicht bei Programmen liegen, die Daten weitersenden. Die Umstellung auf Windows sei nun einmal eine Vorentscheidung für weitere Microsoft-Produkte, die Daten senden würden, so Ruff.

Kristina Frank von der CSU sagte, man werde Linux nicht vollständig den Rücken zuwenden, die Server sollen weiterhin auf Linux laufen. Sie schloss sich ansonsten weitgehend ihrer SPD-Vorrednerin an. Vielleicht ist Linux die richtige Wahl für manche, nicht für die Landeshauptstadt München, so Frank.

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