Open Source im professionellen Einsatz

Libreboot will GNU-Projekt verlassen, darf aber nicht

26.09.2016

Leah Rowe leitet das Coreboot-Projekt und will es aufgrund von Diskriminierungsvorwürfen aus dem GNU-Projekt herauslösen. Das GNU-Projekt fordert Rowe hingegen auf, Libreboot zu forken.

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Das Libreboot-Projekt basierte ursprünglich auf Coreboot und will es Usern ermöglichen, Notebooks komplett ohne proprietäre Hardware-Komponenten zu betreiben. Tatsächlich gibt es inzwischen einige ältere Rechner, auf denen Libreboot läuft. Doch nun bringt ein Streit das Projekt in Gefahr.

Laut der Libreboot-Webseite habe es einen Fall von Diskriminierung gegen eine Transgender-Person des Projekts gegeben. In der Folge hätte das GNU-Projekt aber laut Webseite nicht den Täter, sondern das Opfer aus dem Projekt geworfen. Daher habe sich die Libreboot-Community entschieden, Libreboot ohne das GNU-Projekt weiter zu führen.

Die FSF veröffentlichte nach dieser Ankündigung ein eigenes Statement hinsichtlich der Vorwürfe. Die Kündigung sei erfolgt, aber kein Resultat einer Diskriminierung. Im Gegenteil, man unterstütze Diversität in der Free-Software-Welt. Allerdings könne Libreboot das GNU-Projekt nicht ohne weiteres verlassen. FSF-Mitarbeiter John Darrington erklärte Leah Rowe in einer Mail, wie solche "Trennungen" üblicherweise funktionieren. Sie müsse in einer Mail an das GNU-Projekt erklären, dass sie als Maintainer zurücktrete. Wolle sie das Projekt außerhalb von GNU weiterführen, müsse sie das Projekt anschließend forken.

Das aber Rowe offenbar nicht akzeptieren und weist auf der Libreboot-Projektseite und in einer Presseerklärung darauf hin, wie viel Arbeit und Geld (um die 100 000 US-Dollar) sie persönlich in das Projekt investiert habe. Sie bestehe darauf, Libreboot als Projekt außerhalb von GNU weiterzuführen und bleibe weiterhin Maintainer. Zugleich fordert sie den Rücktritt dreier FSF-Mitarbeiter.

Das alles ist all womöglich eher die Sicht von Leah Rowe und nicht die der Libreboot-Community. Das jedenfalls legt ein Blogpost von Damien Zammit nahe, einem Mitarbeiter des Libreboot-Projekts. Er meldete sich nach dem Split per Blogpost zu Wort. Er arbeite zwar per Vertrag an zwei Chipsets für das Projekt, stelle aber fest, dass Rowe die einzige sei, die Zugriff auf die Codebasis des Coreboot-Projekts und die Webseite habe. Laut Zammit missbrauche Rowe nun ihre Kontrolle über das Projekt, um "unprofessionelle" und persönliche Statements auf der Webseite zu veröffentlichen. Die Beiträge spiegelten lediglich die Meinung von Leah Rowe wieder.

Was nun also aus der Libreboot-Codebasis wird und wie es mit dem Projekt weitergeht, scheint aktuell jedenfalls offen zu sein. Laut Richard Stallman müssen die Projekte diese Frage privat und mit Geduld klären.

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