Open Source im professionellen Einsatz

LAC 2013: Techniker-Künstler, Internet-Jams und die Hagia Sophia

09.05.2013

Im österreichischen Graz hat die Linux Audio Conference (LAC) 2013 mit vielfältigen Beiträgen zu Musik und Audio mit Linux und freier Software begonnen.

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In ihrer Keynote unterstrich die niederländische Audio-Künstlerin und -Entwicklerin Marije Baalman die Bedeutung von Open Source für die zeitgenössische elektronische Musik: Es besteht ein großes Angebot freier Tools samt der Möglichkeit, diese zu integrieren. Daneben ist die Arbeit anderer als Quelltext verfügbar, die sich für eigene Zwecke anpassen lässt. Unter anderem aus diesen Gründen habe Linus Torvalds 2003 vollkommen zu Recht den Prix Ars Electronica für seinen freien Kernel bekommen.

Ihre Arbeitsweise passe oft nicht in die traditionellen Rollen des Musik- und Theaterbetriebs, berichtete die Keynote-Sprecherin: Neben Regisseur, Tänzern und Musikern spiele dort die Technik eine sehr untergeordnete Rolle. Hier gelte es Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Soundentwickler ähnlich einem Komponisten oder hochspezialisierten Instrumentalisten arbeite.

Den Trend zu Closed-Source-Apps für Mobilgeräte und PCs sieht sie durch die Do-It-Yourself-Kultur und offene Hardware wie Beagleboard oder Raspberry Pi konterkariert. Sie bat die Konferenzteilnehmer, neue Anwender in die Community aufzunehmen und zur aktiven Mitarbeit anzuleiten.

Bereits in seiner Begrüßung hatte Johannes M. Zmölnig vom gastgebenden Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) die Verbindung elektronischer Klangkunst zu Linux und Open Source betont: Am Institut wurden Linux-Treiber für professionelle Soundkarten geschrieben sowie die Musik-Programmiersprache PD auf Linux portiert.

Roman Haefeli aus der Schweiz stellte sein Framework Netpd vor. Es erlaubt seinen Anwendern, mit PD über das Internet gemeinsam zu musizieren. Dabei überträgt die Software kein Audio, sondern nur den Instrumenten-Code sowie die Steuerinformationen per TCP. Erst auf dem Client entsteht die Audioausgabe. Dank Netpd könnten auch Interessierte, die keine Instrumente in PD selbst schreiben können, am Musikmachen damit teilnehmen. Haefeli vergaß allerdings nicht, vor einer Sicherheitsschwäche seiner Software zu warnen: Sie führe schließlich Code aus dem Netzwerk aus, daher empfehle sich ein dedizierter Netpd-Benutzeraccount mit wenigen Berechtigungen.

Mit der Abbildung akustischer Räume beschäftigt sich Fernando Lopez-Lezcano vom Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) in Stanford. Zusammen mit vielen Mitstreitern hat er die Akustik der Hagia Sophia in Istanbul in einem modernen Konzertsaal in Kalifornien nachgebildet. Ein Gesangsensemble trug dort live Byzantinische Choräle vor, freie Software wie Jconvolve, Ardour und Jack berechnete in Echtzeit die gewünschte Raumakustik und half mit 30 Lautsprechern nach.

Die Grazer Linux Audio Conference mit kostenlosen Vorträgen und Workshops läuft noch bis Sonntag. Abends stehen Konzerte bei freiem Eintritt auf dem Programm. Weitere Informationen, einen Live-Audiostream sowie den Kongressband als PDF gibt es unter http://lac.linuxaudio.org/2013/

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