Open Source im professionellen Einsatz

Kubuntu-Chef Riddell beurlaubt

28.05.2015

Streit mit Kubuntu: In einem Brief legte Ubuntus Community Council (CC) dem Chef des Kubuntu-Teams, Jonathan Riddell, seinen vorübergehenden Rücktritt nahe. Der aber weigerte sich. Zugleich droht ein anderes langjähriges Kubuntu-Team-Mitglied, zu Debian zu wechseln.

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Als Grund für die Aufforderung nennt der Beirat das Verhalten Riddells ihm gegenüber. Es verstoße damit teilweise gegen den Code of Conduct, Ubuntus Verhaltenscodex. Bereits seit einiger Zeit werde es zunehmend schwieriger, mit Riddell umzugehen, aus Respekt vor seiner Arbeit habe man die Situation gewähren lassen. Nun aber habe der CC Riddell aufgefordert, seinen Posten in der Kubuntu-Führung mindestens für 12 Monate zu räumen.

Riddell denkt aber nicht daran, zurückzutreten. Vielmehr, stellt er in seinem Blog klar, habe er sich nie als Kubuntu-Leader bezeichnet und sei auch nicht als solcher bezeichnet worden. Zudem ließ sich von Kubuntu-Mitgliedern wieder in den Kubuntu Council einsetzen und kündigte an, wie gewohnt an Kubuntu 15.10 arbeiten zu wollen. Den "Vorschlag" des CC lehne er ab, schrieb er in einer Antwortmail, die Kubuntu-Entwickler Scott Kitterman, eine weitere langjährige Führungskraft unter den Kubuntu-Entwicklern, veröffentlicht hat.

Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth stellte daraufhin klar, dass der Community Council ihn schlicht nicht mehr als Chef der Kubuntu-Entwickler akzeptieren werde. Zugleich stellt Scott Kitterman in seinem Blog einen Wechsel zu Debian in Aussicht. Mit Riddell würde dem Kubuntu-Projekt ein zentraler Entwickler wegbrechen, mit Kitterman ein langjähriger Fixpunkt in der KDE-Community. Insofern stellt sich auch ein wenig die Frage nach der Zukunft der KDE-Version von Ubuntu. Kubuntu ist zwar verbreitet, doch das Interesse von Canonical am KDE-Ableger hält sich eher in Grenzen. So wird Jonathan Riddell seit einiger Zeit von Blue Systems finanziert, das an einem eigenen KDE-Desktop namens Netrunner arbeitet und nicht mehr von Canonical.

In den letzten Jahren kritisierte Riddell Canonical immer mal wieder, sie es wegen Problemen mit Spesen oder wegen Canonicals Umgang mit geistigem Eigentum. Der letzte Punkt wurde auch zum Streitpunkt in einem IRC-Treffen zwischen dem Community Council und Riddell. Letztlich geht es um die Frage, ob sich ein bestimmter Passus in Ubuntus Richtlinien zum geistigen Eigentum so auslegen lässt, dass andere Projekte die Ubuntu-Pakete nur mit Erlaubnis von Canonical nutzen dürfen oder sie andernfalls selbst kompilieren müssen. Eine ausführliche Diskussion zu diesem Thema lässt sich auf LWN.net nachlesen.

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