Open Source im professionellen Einsatz

Kritik am Ton auf der Kernel-Mailingliste

17.07.2013

Intel-Entwicklerin Sarah Sharp fordert einen "professionelleren" Umgang auf der Kernel-Mailingliste, Linus möchte im Home-Office weiter einen Bademantel tragen.

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Die Intel-Entwicklerin machte vor kurzem mit ihrem Outreach-Programm für Frauen (Linux-Magazin berichtete) von sich reden, denen es gelang, zahlreiche Patches im Kernel unterzubringen. Als Grund machte sie damals die geschützte Atmosphäre aus sowie motivierende Mentoren.

Auf der Mailingliste hat sie Linus nun aufgefordert, verbale Attacken zu unterlassen, professionell zu kommunizieren und möchte diese Frage auch auf dem Kernel-Summit diskutieren. Er könne die Maintainer, die er gelegentlich mit Flüchen belegt, auch auf zivilere Art auf ihre Fehler hinweisen.

Linus verteidigte sich: Fluchen sei Teil seiner Kultur und Sarah versuche, die Unterschiede der Menschen über einen Kamm zu scheren und spiele die "Denkt-bitte-an-die-Kinder"-Karte. Er könne garantieren, dass er auch weiterhin fluchen werde, denn er habe kein Interesse daran, professionell zu agieren. Er sitze zu Hause im Bademantel vor dem Rechner und werde aus demselben Grund keine Krawatte anziehen. Er möge die falsche Freundlichkeit in Büros nicht, "die Lügen, die Büropolitik und Intrigen, die passive Agressivität und die Buzzwords."

Sein Hangs zum Fluchen brachte Linus in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen und beschert der Kernel-Mailingliste den Ruf, ein unfreundlicher Ort zu sein. Aus dem anfänglichen Hobby-Projekt ist nun jedoch eine globales Projekt geworden und viele der Entwickler und Entwicklerinnen kommen aus großen Unternehmen und betrachten ihre Arbeit am Kernel als regulären Arbeitsplatz. Weitere Diskussionen über die Kommunikationsformen finden sich in Sharps Blog.

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