Open Source im professionellen Einsatz

Kodi im Visier der MPAA

20.02.2017

Am Rande der Berlinale gab der MPAA-Vorstand Christopher Dodd ein Interview, in dem er indirekt Piraterie-Vorwürfe gegenüber bestimmte Anbieter der freien Software Kodi (vormals XBMC) erhob.

305

Konkret ging es um Set-top Boxen, die Verkäufer auf Amazon mit einem vorinstallierten Kodi anbieten. Während die GPL-Software Kodi selbst keinerlei illegale Inhalte anbietet, erweitern die Verkäufer der Boxen das Mediacenter um Add-ons, die Zugang zu illegal angebotenen Inhalten ermöglichen. Für Dodd sei die "64000-Dollar-Frage", wie sich mit solchen illegalen Einsätzen der Kodi-Plattform umgehen lasse, wobei die Summe auf eine historische Fernsehshow anspielt.

Das Kodi-Projekt kennt die Problematik allerdings bereits länger und versucht bereits seit Jahren, gegen die Anbieter der Set-top-Boxen mit dem modifizierten Kodi vorzugehen. Diese vertreiben das Mediacenter häufig mit dem Zusatz "Fully Loaded" und bauen ohne das Wissen der Kunden über Add-ons von Drittanbietern Zugänge zu den Piraterieseiten ein. Der Betreiber des populären Add-ons Exodus baute neulich gar DDOS-Code in seine Erweiterung ein.

Gegenüber Torrentfreak gab Nathan Betzen, Chef der XBMC Foundation, bereits vor einiger Zeit zu Protokoll, dass in den Kodi-Foren regelmäßig User auftauchen, die glauben, Kodi werde nur zum Anschauen illegaler Inhalte entwickelt. Die einzige Handhabe des Projekts gegen solche Anbieter sei das Markenrecht. Das Projekt gehe mit Hilfe von Freiwilligen nicht nur gegen die Anbieter der Boxen vor, sondern auch gegen Youtuber, die Kodis Marke ohne Erlaubnis benutzen und mit Werbung an Kodi verdienen, indem sie zeigen, wie sich mit Kodi illegale Inhalte anschauen lassen.

Gegen das Projekt selbst dürfte die MPAA daher also wenig in der Hand haben. Ähnlich wie Bittorrent ist Kodi keine Software, deren Hauptzweck in der Piraterie besteht, zudem richten sich die Entwickler selbst aktiv gegen die Anbieter der modifizierten Versionen. In Großbritannien gab es indes kürzlich unter Federführung der Federation Against Copyright Theft (Fact) Verhaftungen von Anbietern solcher Boxen. Dort sind offenbar vor allem Erweiterungen beliebt, die Fußballübertragungen aus dem Pay-TV erlauben.

Ähnliche Artikel

  • Bitparade

    Fernsehsendungen sehen und aufzeichnen, HD-Videos streamen, Musik hören, Bilder betrachten und noch einige Tricks mehr versprechen freie und kommerzielle Mediacenter-Programme für Linux-PCs, aber auch für den Raspberry Pi. Die Bitparade holt sich fünf Kandidaten ins heimische Wohnzimmer.

  • XBMC 13.2: Letzte Abfahrt vor Kodi

    Mit Version 13.2 veröffentlicht das XBMC-Projekt die letzte Ausgabe des beliebten Mediacenters unter dem alten Namen.

  • FiveNinjas produziert Apple-TV-Klon mit 1 TByte-Festplatte

    Das in Sheffield ansässige Unternehmen FiveNinjas sammelt derzeit auf Kickstarter Geld für einen kleinen Media-PC, der aus dem Mini-Computer Raspberry Pi und einer 1 TByte großen Festplatte bestehen soll. Das Slice getaufte Gerät soll damit in die Fußstapfen des eingestellten Apple TV treten.

  • Open Elec 8.0 mit Support für Raspberry Pi Zero W

    Open Elec 8.0.0 unterstützt nun den Raspberry Pi Zero W und bietet Builds für die Wetek-Plattformen Hub und Play 2 an. Mit dem Upgrade sollten Open-Elec-Nutzer aber womöglich noch etwas warten.

  • Kodi 17 mit neuen Oberflächen

    Die Mediencenter-Software Kodi bringt in der neuen Version 17 alias Krypton die Standaroberflächen Estouchy und Estuary mit.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.