Interview: Richard Seibt über Microsofts Beitritt zur OSBF
07.05.2008
Der Vorstandsvorsitzende des Open Source Business Foundation e.V. findet Microsofts Beitritt nicht verwunderlich: Der Markt ändere sich eben. Richard Seibt hat Linux-Magazin Online Rede und Antwort gestanden.
Linux-Magazin Online: Herr Seibt, abgesehen von Einzelkooperationen Microsofts kann es schon verwundern, dass die Firma, die so ziemlich für das Gegenteil von OSS bekannt ist, einer dezidierten OSS-Organisation beitritt. Haben Sie persönlich sich gewundert?
Richard Seibt: Nein, ich habe mich ja auch nicht gewundert, als IBM ihr Open Source Engagement vor einigen Jahren bekannt gab und ich werde mich auch nicht wundern, wenn SAP das Gleiche tut. Jede dieser Firmen nimmt eine Veränderung im Markt zur Kenntnis, an der sie teilhaben wollen, von der sie sich Vorteile versprechen. Microsoft wollte Yahoo kaufen! Kann einer glauben, daß Microsoft am nächsten Tag alles eliminiert, was Open Source bei Yahoo ist? Nein, es wäre als strategischer Vorteil angesehen worden, um die geschäftlichen Vorteile von Microsoft zu erreichen. Aller Einsatz von Entwicklern in der Open Source Community hat diese Veränderung von Microsoft erst möglich gemacht. Weitere Änderungen stehen bevor.
LMO: Wie kam es zu Microsofts Beitritt, also wer hatte die Idee und wann - was gab es vorab zu klären?
Richard Seibt: Es begann mit dem Erfolg von Open Source im Markt, zu dem die Entwickler, die Medien und dann die Nutzer beigetragen haben. Dann hat Microsoft seine Strategie verändert und geht jetzt weiter auf Open Source Unternehmen zu und hat diese Strategie u.a. auf der Open Source Meets Business (OSMB) verkündet. Wie Sie wissen, berichtet Andreas Hartl in seiner fachlichen Funktion an Sam Ramji in Redmond, insofern mussten auch die Amerikaner von diesem Schritt überzeugt werden. Damit ist die Entscheidung keine deutsche Entscheidung, sondern eine internationale, für die Herr Hartl die Implementierungsverantwortung für den Konzern trägt. In dieser Sache hat er die volle Unterstützung von Sam Ramji und von Bill Hilf, dem Chef von Sam. Entscheidend ist die Tatsache, daß Microsoft die Satzung der OSBF unterschrieben hat und sich verpflichtet Open Source zu fördern.
LMO: Welche Art der Zusammenarbeit erstrebt Microsoft konkret mit OSS-Firmen? Wollen sie zusammen Software entwickeln - das gibt doch ein Lizenzproblem?
Richard Seibt: Interoperabilität bedeutet, daß Open Source Software mit allen Produkten anderer Hersteller bestens zusammen arbeitet, um die Business-Ziele des Nutzers besser zu erreichen. So auch hier.
LMO: Was ist die Projektgruppe Interoperabilität, die Microsoft laut der Pressemitteilung koordinieren will? Dazu gibt es auf der OSBF-Seite keine Informationen. Und was macht die Projektgruppe Standardisierung, deren Leitung Red Hat übernehmen werde, wie es bei Red Hats Beitritt hieß?
Richard Seibt: Die OSBF-Projektgruppe Interoperabilität ist neu. Einzelheiten wird Herr Hartl entwickeln und mit dem Interoperabilitätsteam zusammen veröffentlichen. Das Projekt Standardisierung liefert streng genommen Vorgaben für Standards, die Interoperabilität zwischen Systemen möglich macht.

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Richard Seibt, früher unter anderem Geschäftsführer und Vorstand bei IBM, Suse und Novell, ist Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Foundation e.V.
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(Anika Kehrer)
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