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Andreas Hartl ist seit 2006 der Chef für Plattform-Strategie. Er ist seit 1998 bei Microsoft und war zuletzt Vize-Geschäftsführer für das Großkundengeschäft in Developer Platform & Strategy.

Interview: Microsofts Andreas Hartl zum OSBF-Beitritt

Der Chef für Plattform-Strategie von Microsoft Deutschland ist als Repräsentant des Redmonder Software-Konzerns dem Open Source Business Foundation e.V. beigetreten. Andreas Hartl stand Linux-Magazin Online Rede und Antwort.

Linux-Magazin Online: Herr Hartl, in der Pressemitteilung über Microsofts Beitritt zur Open Source Business Foundation (OSBF) heißt es, Sie wollen bei der OSBF neue Verbindungen suchen. Was sind das für Verbindungen?

Andreas Hartl: Die OSBF hat Internet Service Provider, Unternehmen und viele weitere Mitglieder, die sich mit OSS-Entwicklung als Prozess beschäftigen. Das macht auch Microsoft. Wir haben die offizielle Genehmigung der Open Source Initiative für eine Microsoft Open-Source-Lizenz bekommen. In unserem Open Source Lab in Redmond haben wir beispielsweise gemeinsam mit Firefox-Entwicklern geholfen den Microsoft Media Player auch in Firefox einzubetten. Auf dieser Basis gibt es zahlreiche interessante Möglichkeiten sich im Rahmen gemeinsamer OSS-Projekte zu engagieren. Das Interesse dafür ist groß.

LMO: Welche Kooperationen bestehen bereits?

Andreas Hartl: Wir haben schon früh mit JBoss zusammengearbeitet. Wir sind auch Partnerschaften mit MySQL, Zend, SugarCRM, Novell, Aras, Xensource, Spikesource und der OSI Licence Submission eingegangen. Interoperabilität steht dabei im Vordergrund.

LMO: Wessen Idee war der Beitritt zum Open Source Business Foundation e.V.?

Andreas Hartl: Vor rund zwei Jahren habe ich Herrn Seibt kennengelernt und wir haben erste Gespräche geführt. Im Januar diesen Jahres haben wir dann die Microsoft Open Source Strategie auf der Konferenz Open Source Meets Business vorgestellt. OSBF-Vorstandsmitglieder haben sich daraufhin mit mir für weitere, engere Kooperationen in Verbindung gesetzt und uns, also Microsoft, eine Mitgliedschaft angeboten. Da Interoperabilität einer meiner Prioritäten bei Microsoft ist und ich mir durch die Mitgliedschaft sehr viele Synergieeffekte vorstellen kann, haben wir dieses Angebot gerne angenommen.

LMO: Gab es neben Befürwortern der Beitritts-Idee auch Skeptiker?

Andreas Hartl: Nicht bei Microsoft. Auch vom Vorstand der OSBF wurde ich als Vertreter der Microsoft Deutschland GmbH einstimmig gewählt.

LMO: Was ist eine der ersten Tasks in der Projektgruppe Interoperabilität?

Andreas Hartl: Nachdem ich gerade erst mit diesem Ressort betraut wurde, müssen Projektspezifika, Ziele und konkrete Maßnahmen erst noch genauer definiert werden.

LMO: Was macht man eigentlich konkret, wenn man eine Projektgruppe bei der OSBF koordiniert?

Andreas Hartl: Letztlich verantworte ich die Ergebnisse der in Punkt 4 zu vereinbarenden Spezifika und Ziele. Ausserdem bin ich für die Mitglieder und Vorstandskollegen die zentrale Anlaufstelle für Interoperabilität und natürlich Microsoft relevante Inhalte.

LMO: Nun noch eine etwas provokante Frage. Die OSBF trägt "Open Source" im Namen. Bill Gates war harscher Kritiker quelloffener Software: Es verderbe die Preise und den Arbeitsmarkt für Entwickler. Nun macht seine Firma Microsoft da also mit, bekennt sich institutionell. Fühlen Sie sich mit diesem Erbe in der OSBF nicht ein wenig im Feindesland? Oder zumindest als Alien?

Andreas Hartl: Unsere Strategie hat sich in diesem Punkt verändert. Die Open Source Initiative hat die Microsoft Public License (Ms-PL) und die Microsoft Reciprocal License (Ms-RL) als Open-Source-Lizenzen anerkannt. Wir haben beiden Lizenzen im letzten Sommer bei der OSI zur Begutachtung eingereicht. Und wenn wir über Open Source sprechen, dann würde ich gerne zwischen dem Prozess der Software-Entwicklung und den OSS-basierten kommerziellen Produkten unterscheiden. Der Open-Source-Prozess enthält Entwickeln, Testen und Einreichen eines öffentlich verwendbaren Sourcecodes. Die Entwicklung basiert auf einem durch die Community befürworteten Entwicklungsprozess und auch das Ergebnis ist getrieben durch diese Community. Dies unterstützen wir. Also konkret - ich fühle mich überhaupt nicht im Feindesland. Wir stehen natürlich mit kommerziellen OSS-Anbietern im Wettbewerb, nicht aber mit dem OSS-Business-Modell.


			Andreas Hartl ist seit 2006 der Chef für Plattform-Strategie. Er ist seit 1998 bei Microsoft und war zuletzt Vize-Geschäftsführer für das Großkundengeschäft in Developer Platform & Strategy.

Andreas Hartl ist seit 2006 der Chef für Plattform-Strategie. Er ist seit 1998 bei Microsoft und war zuletzt Vize-Geschäftsführer für das Großkundengeschäft in Developer Platform and Strategy.

(Anika Kehrer)
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