Die schlechtesten Nachricht vorneweg: Ja, auch beim Internet Explorer 8 ist ein Reboot nach der Installation notwendig. Ja, auch auf Windows Server 2008. Es ist anzunehmen, dass auch die neueste Version des Browsers tief in das System eingreift und diverse Einstellungen und Bibliotheken auf den "neuesten Stand" bringt.

Für Linux-User und Server-Administratoren unfassbar: Auch der Internet Explorer 8 verlangt auf Windows Server 2008 einen Reboot nach der Installation. Was er im System alles verändert hat, erfährt der Benutzer nicht.

Für Linux-User und Server-Administratoren unfassbar: Auch der Internet Explorer 8 verlangt auf Windows Server 2008 einen Reboot nach der Installation. Was er im System alles verändert hat, erfährt der Benutzer nicht.

Allein das ist für den sicherheitsbewußten Admin Grund genug, mit dem Einsatz des Browsers im produktiven Umfeld noch einige Monate zu warten, bis Andere die gröbsten Fehler entdeckt haben und Microsoft Patches bereitstellt.

Die guten Nachrichten

Aber auch der eingefleischteste Linuxler muss zugegeben: Der IE8 hat gute Seiten. Er ist deutlich flotter als viele seiner Vorgänger und Konkurrenten, startet viel schneller als Firefox 3.0.7 (natürlich dank des üppigen Preload von Libraries) und bringt zahlreiche Neuerungen mit, die zusammen eine Art "Best Of" der Browserwelt ausmachen.

Im direkten Vergleich mit Firefox schneidet der Internet Explorer 8 (links) nicht so schlecht ab wie seine Vorgänger. Vor allem beim Funktionsumfang und Geschwindkeit hat Microsoft aufgeholt. Nach dem subjektiven Eindruck mehrerer Tester in der Redaktion rendert aber der freie Browser komplexe Webseiten immer noch schneller.

Im direkten Vergleich mit Firefox schneidet der Internet Explorer 8 (links) nicht so schlecht ab wie seine Vorgänger. Vor allem beim Funktionsumfang und Geschwindkeit hat Microsoft aufgeholt. Nach dem subjektiven Eindruck mehrerer Tester in der Redaktion rendert aber der freie Browser komplexe Webseiten immer noch schneller.

Der IE 8 gruppiert Tabs automatisch, kennzeichnet sie farbig und stellt eine übersichtliche Vorschau bereit:

Gut gelungen ist die Verwaltung der Browser Tabsim Internet Explorer 8: Tabs derselben Domäne werden farblich gruppiert und per Mausklick in einer Übersicht mit Vorschau dargestellt. Bei Firefox braucht es dafür Add-Ons.

Gut gelungen ist die Verwaltung der Browser Tabsim Internet Explorer 8: Tabs derselben Domäne werden farblich gruppiert und per Mausklick in einer Übersicht mit Vorschau dargestellt. Bei Firefox braucht es dafür Add-Ons.

Im "Porno"- oder "Stealth"-Mode namens InPrivate-Browsing verspricht Microsoft dem Benutzer absolute Anonymität:

Mit dem auch als Porno- oder Stealth-Mode titulierten Inprivate-Browsen verhält sich auch der Internet Explorer wie ein gut konfigurierter, auf Anonymität getrimmter moderner Browser. Microsoft verspricht dem Benutzer, damit keinerlei Spuren zu hinterlassen.

Mit dem auch als Porno- oder Stealth-Mode titulierten Inprivate-Browsen verhält sich auch der Internet Explorer wie ein gut konfigurierter, auf Anonymität getrimmter moderner Browser. Microsoft verspricht dem Benutzer, damit keinerlei Spuren zu hinterlassen.

Kompatibilität mal anders

Den Compatibility Mode hat sich Microsoft selbst eingebrockt. Als Open-Source-Company setzt man jetzt ja auf die Einhaltung offener Standards wie HTML oder CSS, die seit mehreren Jahrzehnten im Web gelten. Weil Microsoft aber früher gerne seine Marktmacht einsetzte, um in den Browserkriegen der Neunziger eigene Vorteile durchzusetzen, existieren zahlreiche nicht-standardkonforme Webseiten, die nur Versionen des Internet Explorers korrekt darstellen konnten. Der neue Browser aber hält sich an die Standards und braucht daher einen extra Modus, um die alten, MS-konformen, aber nicht den Regeln entsprechenden Seiten darzustellen.

Selbst eingebrockt hat sich Microsoft das Problem der kompatiblen Webseiten. Weil der Konzern jetzt auf die Einhaltung freier Standards pocht, brauchen viele alte Sites den Compatibility Mode des IE8, um lesbar zu werden.

Selbst eingebrockt hat sich Microsoft das Problem der kompatiblen Webseiten. Weil der Konzern jetzt auf die Einhaltung freier Standards pocht, brauchen viele alte Sites den Compatibility Mode des IE8, um lesbar zu werden.

Viel Neues im Look and Feel

Die Neuigkeiten im Aussehen und den Funktionen erinnern stark an die besten Firefox-Add-Ons. Wenig Überraschend gilt für die meisten davon auch: Wer ein wenig sucht, kann seinen Mozilla jederzeit genauso ausstatten wie der IE8 daherkommt, dank der großen Community in den meisten vielen Fällen sogar besser und aktueller.

Ein gutes Beispiel dafür ist das kleine aber nützliche Firefox-Add-On "Add to Search Bar". Ist es installiert, kann der Mozillauser jedes Suchfeld in beliebigen Webseiten schnell zu seiner Searchlist hinzufügen. Die Abbildung unten zeigt das in Firefox für die Suche auf den Seiten des Linux-Magazins. Für den Internet Explorer haben die Autoren keine vergleichbare Funktion gefunden, die so etwas mit nur zwei Mausklicks einrichtet.

Mit Addons kein Problem: Firefox 3 braucht sich nicht hinter dem Internet Explorer 8 verstecken. Links die ständig aktualisierte Tab Preview des "Tab Sidebar", rechts der Menüeintrag im Kontextmenü, der jede beliebige Suchformular im Web an die Search Bar hinzufügt.

Mit Addons kein Problem: Firefox 3 braucht sich nicht hinter dem Internet Explorer 8 verstecken. Links die ständig aktualisierte Tab Preview des "Tab Sidebar", rechts der Menüeintrag im Kontextmenü, der jede beliebige Suchformular im Web an die Search Bar hinzufügt.

Die Microsoft-Kunden sollen wohl eher auf die Search-Provider setzen, der Verdacht liegt nahe, dass hier nicht Community-Gedanken, sondern kommerzielle Interessen eine Rolle spielen.

Viele Add-Ons gibt es auch für den Internet Explorer 8, aber im Gegensatz zu Firefox stehen dabei häufig kommerzielle Interessen dahinter, die viele einfache Features zu blockieren scheinen.

Viele Add-Ons gibt es auch für den Internet Explorer 8, aber im Gegensatz zu Firefox stehen dabei häufig kommerzielle Interessen dahinter, die viele einfache Features zu blockieren scheinen.

Sicherheit via microsoft.com?

Auch in Sachen Sicherheit hat Microsoft nachgelegt. Wer erstmal die Hürden des Protected Mode (Geschützter Modus) auf den neueren Redmonder Systemen genommen hat, kann dank des Smart Screen Filters jede Webseite, die er gerade betrachtet, mit bei Microsoft gemeldeten, schädlichen Sites vergleichen lassen.

Nach Hause telefoniert? Auf Wunsch überprüft der Internet Explorer 8 mit dem Smart-Screen-Filter, ob andere Benutzer oder Browser die aktuelle Seite als gefährlich eingestuft haben. Linux-Magazin Online stellt offensichtlich keine Bedrohung dar.

Nach Hause telefoniert? Auf Wunsch überprüft der Internet Explorer 8 mit dem Smart-Screen-Filter, ob andere Benutzer oder Browser die aktuelle Seite als gefährlich eingestuft haben. Linux-Magazin Online stellt offensichtlich keine Bedrohung dar.

Was der IE dabei alles übermittelt, bleibt allerdings vorerst sein Geheimnis.

Guter Gesamteindruck - aber braucht's das?

Insgesamt bleibt ein guter und schneller Eindruck, allerdings von einem Browser, den die Welt nicht mehr braucht. Die nächste Firefox-Version (3.5) steht bereits vor der Tür. Dessen Entwickler dürfen den neuen Konkurrenten Internet Explorer 8 gelassen betrachten.

Sowohl bei Features, Sicherheit und Performance braucht sich die Open-Source-Fraktion nicht verstecken, der Erfolg und das große Vertrauen, das Mozillas Firefox genießt, dürfte durch den IE8 nicht gefährdet sein. Schon allein, weil der Internet Explorer immer noch nicht auf Linux kommen wird - zumindest hat Linux Magazin Online diese Frage niemand von Microsoft beantwortet. Zum Download steht der IE8 übrigens hier.