Open Source im professionellen Einsatz

Industriesysteme im Fokus der Hacker

29.09.2017

Einem Bericht der Sicherheitsfirma Kaspersky zufolge richtete sich in der ersten Jahreshälfte 2017 jede dritte Cyberattacke auf Rechner für industrielle Kontrollsysteme (ICS, Industrial Control Systems) bei Unternehmen aus der Fertigungsbranche.

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Weltweit laufen auf zehntausenden von ICS-Rechnern Lösungen von Kaspersky Lab. Die Analyse für das erste Halbjahr 2017 zeigt: bei 37,6 Prozent dieser Rechner wurden Angriffsversuche blockiert. Das entspricht einem leichten Rückgang von 1,6 Prozentpunkten gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2016. Mehrheitlich betrafen die Angriffe Fertigungsunternehmen für Werkstoffe, Geräte oder Güter (31 Prozent), gefolgt vom Maschinenbau, dem Bildungswesen und der Nahrungsmittelbranche (einschließlich Getränke). Auf die ICS-Rechner der Energiebranche entfielen knapp fünf Prozent aller Angriffe.

Die Experten des Kaspersky CERT (Computer Emergency Response Team) identifizierten das Internet als Hauptgefahrenquelle. Demnach wurde auf 20,4 Prozent der untersuchten ICS-Rechner der Download von Malware beziehungsweise der Zugriff auf schädliche oder Phishing-Webressourcen verhindert. Der Grund für die hohen Werte in diesem Bereich liegt sowohl im uneingeschränkten Internetzugriff aus dem Industrienetzwerk heraus sowie auf Anbindungen der Rechner auf mobile Telekommunikationsnetzwerke. Die Schnittstellen zwischen Industrie- und Unternehmensnetzwerk stellen dann eine große Gefahr für die komplette Infrastruktur der Unternehmen dar.

Die erste Jahreshälfte war zudem geprägt von einer Ransomware-Epidemie, die auch vor Industrieunternehmen nicht haltmachte. Die Experten des Kaspersky Lab ICS CERT verzeichneten bis Juni 2017 eine Verdreifachung der einzelnen, von Verschlüsselungstrojanern attackierten ICS-Rechner. Dabei konnte das Gesamtaufkommen der Ransomware insgesamt 33 Familien zugeordnet werden. Die meisten Trojaner verbreiteten sich über Spam-Mails, die als Geschäftskommunikation getarnt waren und entweder schädliche Anhänge oder Links zu Malware-Downloadern beinhalteten. Den größten Schaden richteten dabei WannaCry und ExPetr an. Mit Angriffen auf 13,4 Prozent aller Rechner im industriellen Umfeld bildet WannaCry die Spitze der Ransomware-Familien. WannaCry zielte vor allem auf das Gesundheitswesen und den öffentliche Sektor. Auch ExPetr erwies sich im ersten Halbjahr des Jahres als besonders gefährlich. Mehr als jedes zweite Unternehmen der Fertigungsbrache und der Öl- und Gasindustrie wurde demnach angegriffen.

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