Open Source im professionellen Einsatz

H.264-Deal zwischen Cisco und Mozilla in der Kritik

31.10.2013

Uneins sind sich die Analytiker über die Auswirkungen, die der jüngste "Lizenz-Hack" zwischen Cisco und Mozilla mit sich bringt. Während die beiden jubeln, kritisiert der Ogg-Vorbis-Gründer Montgomery: Dass Cisco ein H.264-Plugin fortan verschenkt, zementiere die Praxis, "Lizenzgebühren für Internationale Standards" verlangen zu dürfen - und ziehe tiefe Gräben ins eigentlich freie Web.

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Mozillas CTO Brendan Eich jubelt, doch Montgomery unkt: Nicht mehr als ein "Lizenz-Hack" sei das, hat Cisco sich doch von der MPEG LA einen Deckel verordnen lassen: Indem der Netwerkriese dieses Jahr 6,5 Millionen Dollar zahlt, darf er so viele Kopien vertreiben, wie er will. Für Endanwender ist das binäre Plugin, bei Cisco herunterzuladen, dann kostenlos. Und Mozillas Software wird darauf zurückgreifen.

Der Ogg- und Vorbis-Gründer bemüht martialische Worte: "Wir haben verloren, und wir geben die Niederlage zu.", schreibt Christopher "Monty" Montgomery, in seinem Blog. Cisco mache die Gasse auf, durch die der "geordnete Rückzug vom Schlachtfeld" des freien Webs möglich sei. Dann müsse man sich auf die kommenden Schlachten vorbereiten. Prinzipien habe man verraten. Ciscos Entscheidung, H.264 kostenlos zu vertreiben, bringe den Codec in Web RTC und in jede andere Software, die das Plugin nutzen wolle.

Ogg-Vorbis-Gründer sieht neue Gräben

Das ganze Vorgehen erinnert Montgomery an einen Graben, der durchs Netz gezogen wird. Anwender merken nichts davon, noch nicht. "Die bloße Anwesenheit einer solchen ausgehandelten Lizenz teilt das Web in Gruppen unterschiedlicher Privilegien", schreibt er. Zwar kommt der Codec schnell in Produkte, doch auf lange Sicht verursache das nur weitere Probleme. "Lizenzen sind das Problem, und das löst man nicht mit noch mehr Lizenzen"

Opus und Daala

Dennoch glaubt Montgomery an freie Codecs: Die seien "in einer besseren Position als je zuvor, Der Audio-Codec Opus sei standardisiert, Daala ist fertig und könne von jedermann für alles verwendet werden, ohne dass eine Lizenz nötig sei. "So wie das Web eben: frei und für jedermann. Das ist eine Lösung, mit der jeder glücklich wird."

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